Die Unternehmensteuerreform in den Vereinigten Staaten wird von vielen Wirtschaftsexperten als Wachstumstreiber geradezu bejubelt. "Außer Acht gelassen wird aber, dass die US-Wirtschaft bereits auf vollen Touren arbeitet. Es droht eine Überhitzung", warnt Tim Drayson, Head of Economics beim Fondsanbieter Legal & General Investment Management (LGIM).

Die US-Wirtschaft ist im vergangenen Jahr bereits so kräftig gewachsen, dass es keines weiteren Stimulus bedarf, sagt Drayson. Der Wachstumsimpuls aus der Steuerreform dürfte aber sogar größer ausfallen als gedacht – zumindest kurzzeitig. "Die meisten der individuellen Steuersenkungen laufen Ende 2025 aus. Für 2019 ergibt sich eine relativ gleichmäßige Entlastung für alle Einkommensgruppen. Menschen mit geringem und mittlerem Einkommen werden jedoch hart von den auslaufenden Steuersenkungen getroffen", so der LGIM-Experte.

Jemand muss die Zeche zahlen
Auf kurze Sicht wird die Steuerreform wohl für ein zusätzliches Wachstum von rund 0,5 Prozentpunkten sorgen. Damit würde das Bruttoinlandsprodukt in den USA im laufenden Jahr knapp drei Prozent zulegen. Auf der anderen Seite hat die Reform langfristig Auswirkungen auf den US-Staatshaushalt. Letztlich hat der amerikanische Kongress ein höheres Defizit beschlossen – in der Hoffnung, dass die Steuerreform die Produktivität steigert und so dazu beiträgt, die Steuersenkungen zu bezahlen. (fp)