So positiv wird es wohl nicht bleiben. Die Daten, die der Behavioral-Finance-Spezialist Sentix unter Anlegern erhoben hat, ergeben zwar eine optimistische Sicht auf die aktuelle Konjunktur in der Eurozone, doch die Erwartungen liegen weit darunter.

Die Einschätzungen der aktuellen Lage haben sich der Sentix-Umfrage zufolge um 0,7 Punkte auf 46,5 Punkte verbessert. Das ist der beste Wert seit über zehn Jahren. "Dieser Indexwert ist hervorragend und entspricht exakt dem Stand von September 2007", erklärt Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner. Aus Sicht der befragten Investoren läuft es in Euroland also "exzellent". Der Blick in die Zukunft scheint aber erneut mit Fragezeichen belegt zu sein.

Getrübte Aussichten
Sorgenfalten ruft der Umfrage zufolge die Erwartungshaltung hervor. Diese ist von 22,8 auf 16,8 Punkte zurückgegangen und hat dafür gesorgt, dass auch der Gesamtindex (Lage plus Erwartung) von 34 auf 31,1 Punkte gesunken ist.

"Der beachtliche Dynamikverlust in den Konjunkturerwartungen von sechs Punkten in den  Dezember-Daten hatte wohl kaum ein Beobachter so auf der Rechnung", sagt Hübner. "Die Anleger fragen sich, ob es in 2018 überhaupt noch besser laufen kann und stufen die Zukunftsperspektiven unter den Stand von September 2017 zurück. Der Gesamtindex für Euroland büßt deshalb 2,9 Punkte ein“, erklärt er.

Kein Beinbruch
Laut Hübner ist dieser Rückgang aber noch kein Beinbruch. Ein Problem ergäbe sich, wenn ein neuer Trend entstehen würde. Rückblickend wäre dann im November ein Top in der Konjunktur zu sehen gewesen.

Die zähe Regierungsbildung in der deutschen Hauptstadt trägt nach Ansicht Hübners erheblich zum Dynamikverlust bei. Schließlich sei Deutschland eine der wichtigsten Lokomotiven für die Konjunktur in Euroland und ein Garant für Stabilität.

Wichtige Fragen beiseite drücken
Kann Deutschland unter einer neuen Regierung weiterhn seine jetzige Führungsrolle in Europa wahrnehmen? Oder wird Deutschland und damit auch Europa in eiligen Fragen handlungsunfähig? Diese wichtigen Fragen drückt die Wirtschaft nach Hübners Einschätzung im Moment noch beiseite. "Es brummt schließlich und wer möchte sich von dem politischen Hickhack ablenken lassen?", fragt er. "Je mehr Zeit jedoch vergeht, desto mehr dürfte dieses Problem auch konjunkturelle Bremsspuren erzeugen“, warnt Hübner. (aa)


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