Zwölf Jahre ist es her, dass Max Otte seinen Bestseller "Der Crash kommt" veröffentlichte – und sich damit einen Namen als Crash-Prophet machte. Seine Popularität half dabei, die von ihm beratenen Fonds zu vermarkten, darunter der PI Global Value und der Max Otte Vermögensbildungsfonds. Die Fonds starteten zunächst gut, enttäuschten in den Jahren 2014 und 2015 jedoch. Seit 2016 läuft die Aufholjagd. Die Anleger halten sich mit neuen Engagements allerdings zurück, das Volumen von in Summe gut 140 Millionen Euro liegt deutlich unter den einstigen Höchstständen.

Inzwischen ist Max Otte wieder in den Schlagzeilen – denn er warnt vor dem nächsten Kollaps an den Märkten. FONDS professionell ONLINE bat ihn zum Interview.


Herr Otte, Ihr Vortrag auf dem FONDS professionell KONGRESS in Mannheim stand unter der Überschrift "Der nächste Crash kommt". Das war Ende Januar. Anfang Februar stürzten die Kurse tatsächlich ein. Hatten Sie mit einem derart guten Timing gerechnet?

Max Otte: Natürlich nicht. Keiner kann Kursstürze so präzise vorhersagen. Ich habe lediglich den Zustand der Weltwirtschaft, das Bewertungsniveau der Märkte und die Gefahrenherde angeschaut und meine Schlüsse daraus gezogen. Ich war neun Jahre lang ein Superbulle. Jetzt werde ich vorsichtig, getreu dem Motto Warren Buffetts: "Werde vorsichtig, wenn die anderen gierig werden."

Erleben wir gerade schon den Beginn des prognostizierten Crashs? Oder sind das eher Vorboten – und der echte Absturz folgt erst noch?

Otte: Ich denke und hoffe, dass es nur ein Vorbote ist, der erste Warnschuss sozusagen. Etwas Luft ist noch in der Hausse. Aber sicher bin ich mir natürlich nicht.

In Mannheim sagten Sie, der Crash käme während der ersten Amtszeit von Donald Trump. Was macht Sie so sicher?

Otte: Die Welt ist heute höher verschuldet als 2008 – absolut und relativ. Es gibt viele potenzielle Krisenursachen: Die exorbitanten Staatsschulden der USA ganz vorne, die Krise im Süden Europas, die Fremdwährungsschulden der Schwellenländer und die Kreditblase in China. Zudem haben wir wieder die ersten Blasen bei Kryptowährungen, Private Equity und Immobilien. In den USA werden dieses Jahr über eine Billion Dollar an neuen Staatsschulden gemacht. Die US-Notenbank Fed und China fallen als Käufer zunehmend aus. Das muss eine harte Landung geben.

Sie argumentieren unter anderem mit der hohen Bewertung von Aktien. Historisch gesehen sind sie tatsächlich ambitioniert bewertet. Im Vergleich zu den niedrigen Renditen am Rentenmarkt sind Aktien allerdings nach wie vor günstig.

Otte: Relativ ja. Ich halte mich aber lieber an absolute Bewertungsmaßstäbe, denn die niedrigen Zinsen sind ja das Resultat planwirtschaftlich-sozialistischer Staatsinterventionen. Und Marktmanipulation hat auf Dauer nie funktioniert.

Was könnte der konkrete Auslöser für den nächsten Kurssturz sein?

Otte: Wenn es soweit ist, reicht ein Funke, und die Mischung explodiert. Wer weiß schon, welcher Funke das sein wird.

Werden die Notenbanken denn tatenlos zusehen, wenn es tatsächlich zum Crash kommt?

Otte: Nein, sie werden mit noch mehr Sozialismus antworten. Schon heute haben wir ja neben dem Gelddrucken viel direktere staatsinterventionistische Maßnahmen. In einem Umfang übrigens, den ich in marktwirtschaftlich organisierten Gesellschaften nicht für möglich gehalten hätte, als ich vor zwölf Jahren mein Buch "Der Crash kommt" geschrieben habe. Das Resultat könnte dann anstelle eines Totalcrashs das Einfrieren der Märkte sein, wie es der unabhängige Ökonom Daniel Stelter beschreibt. Aber mit einer paralysierten Wirtschaft in der Zwangsbeatmung, wie wir sie jetzt schon teilweise haben, ist uns auch nicht geholfen.

Sie hatten in Mannheim angekündigt, die Aktienquote in Ihren Fonds zu senken. Ist das noch rechtzeitig vor dem jüngsten Kurssturz passiert?

Otte: Wir hatten angefangen, Liquidität aufzubauen, standen aber leider erst am Anfang. Es war durchaus positiv, dass wir Kasse hatten, aber wir hätten natürlich gerne mehr gehabt.

Wenn Aktien zu teuer sind und Anleihen keine Rendite abwerfen: In welche Assetklassen können Sie das Geld Ihrer Anleger überhaupt noch guten Gewissens investieren? Wie stellen Sie die Fonds auf, damit sie kein Geld verlieren?

Otte: Ich habe das auf dem FONDS professionell KONGRESS vorgerechnet: Mit 40 Prozent Kasse vom 1. Januar 2008 bis zum 1. Januar 2009 wäre man zwei Jahre nach der Finanzkrise schon wieder knapp zehn Prozent im Plus gewesen. Wir bauen die Kassenhaltung schrittweise auf. Immer noch finden wir aber auch sehr billige Aktien, Aktien mit guten Dividenden und kleinere Wachstumsunternehmen. Wir verstehen uns als vermögensverwaltender Fonds. Es mag sein, dass der Nettoinventarwert in der Krise leicht zurückgeht, aber wenn Sie nicht dabeibleiben, verpassen Sie auch den Aufschwung. Im Übrigen: Ich habe das schon einmal vorexerziert. In den Jahren 2008 bis 2009 war ich im PI Global Value Fund fast voll investiert. Trotzdem war ich bereits im August 2009 wieder im Plus. Für diejenigen meiner Investoren, die dabeigeblieben sind, waren die nächsten Jahre ein phantastisches Geschäft.

Vielen Dank für das Interview. (bm)