Die Finanzaufsicht Bafin ist massiv gegen die seit längerem international in Verruf stehende Kryptowährungsplattform Onecoin vorgegangen. Die Aufsicht hat zunächst im Februar über "die bekannten noch aktiven" Konten der IMS International Marketing Service aus Greven, die Gelder an Onecoin Dubai weiterleitet, eine Kontensperre verhängt. Am 5. April folgte ein Bescheid, der IMS das Geschäft mit Onecoin-Anlegern verbot und die Rückzahlung von Geldern anordnete. Und gestern wurde das Unternehmen Onecoin Ltd. in Dubai unmittelbar angewiesen, sein Geschäft in Deutschland einzustellen.

Aber der Reihe nach: IMS ist eines der Vehikel rund um Onecoin. Onecoin bezeichnet sich als Kryptowährung, die aber kaum handelbar ist. Auf dem eigenen Onlinemarktplatz "Deal Shaker", der hauptsächlich Shopping-Kanal-ähnliche Produkte mit chinesischen Schriftzeichen bewirbt, werden Onecoins akzeptiert. Laut Eigenangaben lassen sich Onecoins als solche nur auf der eigenen Plattform xcoinx.com kaufen und verkaufen. Allerdings fand FONDS professionell ONLINE bei der Recherche keine Handelsmöglichkeit auf der Seite, die noch dazu des öfteren offline zu sein scheint.

Vielmehr drängt sich ein anderer Verdacht auf: Nach Informationen von Onecoin-Käufern oder Teilnehmern an Onecoin-Seminaren sollen die vermeintliche Kryptowährung und die um sie herum konstruierten Firmen eher einem Schneeballsystem ähneln.

360 Millionen Euro allein über IMS weitergeleitet
IMS hat im Auftrag der Onecoin Ltd. zwischen Dezember 2015 und Dezember 2016 rund 360 Millionen Euro angenommen und den größten Teil an Dritte weitergeleitet – "insbesondere auch außerhalb Deutschlands", wie es bei der Bafin heißt. Die deutschen Aufseher qualifizieren dieses Vorgehen als Finanztransfergeschäft, wofür der IMS aber die Erlaubnis fehlte.

Daher wurden IMS, neben der Kontensperre vom Februar, am 5. April Finanztransfers mit Onecoin Dubai verboten. IMS wurde angewiesen, vorhandene Bankguthaben, soweit diese nicht einer Pfändung unterliegen, "an diejenigen Einzahler zurück zu überweisen, die zuletzt Zahlungen an die IMS International Marketing Services GmbH vorgenommen hatten", heißt es auf der Homepage.

IMS muss die Gelder, die noch nicht nach Dubai weitergeleitet worden sind, an Käufer von "Onecoin-Schulungspaketen" rücküberweisen. So konkretisiert die Bafin gegenüber FONDS professionell ONLINE die Anfrage, was mit "zuletzt" gemeint ist. Die IMS habe das Finanztransfergeschäft unter anderem dadurch betrieben, dass sie Gelder von Leuten, die "Schulungspakete" gekauft hatten, an die Onecoin Ltd. Dubai transferierte, so eine Bafin-Sprecherin. Dabei handelte es sich um bis zu 20.000 Euro pro Person teure Verkaufsveranstaltungen, bei denen Referenten Teilnehmer teils aggressiv zum Einstieg in Onecoin drängten.

Bafin waren Hände gebunden
Warum es so lange dauert, bis die nationalen Behörden einen Riegel vorschieben – Warnungen gab es international schon im Vorjahr –, darauf erhält man eine ausweichende Antwort: Die Bafin habe nach dem Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz keine rechtliche Möglichkeit, eine allgemeine Warnung auszusprechen, erfährt man nur.

Jedenfalls dürfte ein großer Teil der Anleger von Onecoin in die Röhre gucken. Von den durch IMS innerhalb eines Jahres eingenommenen 360 Millionen Euro liegen nur noch rund 29 Millionen Euro auf den derzeit gesperrten Konten, wie die Bafin mitteilt. Der Rest scheint perdu, bestätigt Harald Lambert von Adwus Rechtsanwälte in Nürnberg gegenüber FONDS professionell ONLINE. "Das Ausmaß des Onecoin-Falls ist sicher gewaltig. Wir haben eine sehr große Resonanz auf das Thema. Eine so hohe Klickrate hatten wir noch nie auf einen Onlineartikel. Ich habe jeden Tag E-Mails und Anrufe zu Onecoin. Wir haben bereits zahlreiche Mandate in der Sache", so Lambert.

Er kenne Fälle, wo Vermögensberater in Deutschland Empfehlungen für Onecoin ausgesprochen haben, so Lambert. Hier werde man rechtliche Schritte im Rahmen der Vermittlerhaftung einleiten. (eml)