Investoren weltweit sind wohl anhand der zunehmenden globalen Risiken rund um Handelskonflikte und der Türkeikrise davon ausgegangen, dass Gold seiner Funktion als Angstwährung nachkommt. Dementsprechend hätte Gold in dem unsicheren Umfeld an Wert gewinnen müssen. In den letzten drei Monaten hat aber der Goldpreis fast zehn Prozent an Wert verloren, merkt M.M.Warburg & Co in einer aktuellen Analyse an.

Es scheinen laut den Hamburgern also andere Faktoren dazu beigetragen zu haben, dass sich die wachsende Unsicherheit nicht im Goldpreis widerspiegelt.

Steigende Zinsen sind Gift für Gold
Ein wichtiger Grund seien mit Sicherheit die steigenden Zinsen in den USA. Durch das höhere Zinsniveau würde Gold als Anlageklasse unattraktiver, da es keine laufenden Erträge abwirft. So sei es auch für risikoaverse Anleger interessanter, in US-Anleihen zu investieren. 

Mit vermutlich zwei weiteren Zinsschritten in diesem Jahr und weiteren Zinserhöhungen in 2019 sollte Gold auch in Zukunft eher an Attraktivität verlieren, meint M.M.Warburg & Co. "Vor diesem Hintergrund ist es auch nicht verwunderlich, dass Spekulanten massive Short-Positionen auf Gold aufgebaut haben. Die Anzahl der Short-Positionen im Verhältnis zu Long-Positionen ist aktuell auf dem höchsten Wert seit Einführung der Statistik", merkt M.M. Warburg & Co an mit Verweis auf nachfolgende Grafik an:

Short-Spekulanten drücken den Goldpreis nach unten

Anmerkung: Der Saldo aus Long- und Shortpositionen auf den Goldfuture (graue Linie, linke Y-Achse) ist auf einem Rekordtief, da sehr viele Spekulanten bei Gold Short sind. Das bringt den Goldpreis (rote Linie, rechte Y-Achse) unter Druck.

Verkaufen die Türken Gold um die Lira zu stützen?
Noch ein weiterer Faktor dürfte zuletzt dazu geführt haben, dass der Goldpreis sinkt. Mit der Währungskrise in der Türkei wird es für das Land immer schwieriger, sein Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren. Hier hat es laut M.M.Warburg & Co den Anschein, als hätte die Türkei einen Teil der (erheblichen) Goldreserven verkauft und somit ebenfalls zum Preisdruck beigetragen. "Dies könnte sich weiter fortsetzten. Wer also kein Anhänger von Weltuntergangsszenarien ist, sollte sich die Goldanlage zumindest gut überlegen", empfiehlt M.M.Warburg & Co abschließend.

Ergänzend sei anzumerken, dass bei Gold derzeit ein Angebotsüberschuss seitens der Goldminen herrscht und sich Gold-ETFs respektive deren Käufer derzeit auf der Longseite sehr zurückhalten oder  sogar ETF-Anteile zurückgeben. Alles in allem spricht derzeit fast alles gegen Gold, sodass es lediglich aus antizyklischer Sicht interessant ist.(aa)