Besonnenheit zählt an der Börse viel. Versierte Investoren wissen: Langfristig wird die Rendite nicht mit dem Kopf oder dem Bauch, sondern mit dem Hintern gemacht. Soll bedeuten: Stillsitzen ist häufig die cleverste Strategie.

Wenn die Kurse abstürzen, sollten Anleger nicht in Panik geraten, rät Ali Masarwah vom Research-Haus Morningstar. "Die Verluste der vergangenen Tage sind bitter. Aber sie sind genau das: vergangen", sagt er. Es ist wenig sinnvoll, aus Ereignissen von gestern Handlungsstrategien für die Zukunft abzuleiten. "In Anbetracht eines Schockerlebnisses löst unser Gehirn typischerweise einen Fluchtreflex aus. Doch was in prähistorischer Zeit sinnvoll war, hat in der Börsenwelt von heute keinen Platz", so Masarwah.

Wer nach einem Kurssturz verkauft, macht aus Buchverlusten ein reales Minus. Besser ist es, sich zurückzulehnen und die blinkenden Kurstafeln auszublenden. Schließlich investieren die meisten Anleger nicht auf Tagesbasis. "Vielen Depots liegen sehr weit in die Zukunft gerichtete Ziele zugrunde", sagt der Morningstar-Analyst. Diese Langfrist-Ziele sollte man sich – auch wenns schwer fällt – gerade in turbulenten Börsenphasen ins Gedächtnis rufen. "Auch wer seine finanziellen Ziele kurz- bis mittelfristig ausgerichtet hat, sollte davon absehen, ständig sein Portfolio zu überprüfen", rät Masarwah.

Das Richtige im Falschen erkennen
Es kann helfen, fallende Kurse umzudeuten und mit der Brille des Schnäppchenjägers zu betrachten. Eine alte Weisheit aus der Geschäftswelt besagt: Der Gewinn liegt im Einkauf. "Überlegen Sie sich, wann die Märkte für Sie ein günstiges Einstiegsniveau bieten", sagt Masarwah. "Sie fiebern dann unter umgekehrten Vorzeichen mit den Märkten." Wer nach guten Einstiegschancen sucht, kann es schaffen, sich über weitere Kurseinbrüche sogar noch zu freuen. (fp)