Anhaltende Niedrigzinsen und die steigende Inflation haben im dritten Quartal zu einem neuen Rekord beim Wertverlust für deutsche Sparer geführt. Insgesamt mussten sie zwischen Juli und September 10,8 Milliarden Euro reale Wertverluste auf ihre Ersparnisse verkraften. Das ist ein Ergebnis des aktuellen Realzins-Radars der Bank Comdirect. Demnach liegt der Quartalsverlust, den Sparer zuletzt erleiden mussten, deutlich über dem bisherigen Negativ-Rekordwert von 9,8 Milliarden Euro. So viel mussten Bundesbürger im zweiten Quartal dieses Jahres abschreiben.

Haupttreiber für den neuen Negativrekord beim Realzins ist laut der Comdirect-Studie die zurückgekehrte Inflation. Mit 2,1 Prozent ist sie gegenüber den vorherigen Quartalen weiter gestiegen und erreichte den höchsten Quartalswert seit Ende 2011. Gleichzeitig blieben die Zinsen für Tagesgeld, Festgeld und Spareinlagen mit durchschnittlich 0,18 Prozent im dritten Quartal auf einem historischen Tiefstand. Gegenüber den vorherigen Quartalen sind sie sogar nochmals leicht gesunken. Der Realzins, also der Zins nach Abzug der Inflation, lag damit im dritten Quartal bei minus 1,92 Prozent – ein neues Rekordtief.

In der Nullzinsphase führt kein Weg an Aktien vorbei
"Natürlich ist es sinnvoll, einen Teil des Ersparten kurzfristig verfügbar zu halten. Sparer sollten jedoch bedenken, dass der Preis für diese Flexibilität ein schleichender Wertverlust ist", sagt der Comdirect-Vorstandsvorsitzende Arno Walter. Besonders deutlich wird dies in der langfristigen Betrachtung: Seit Ende 2010 haben die Deutschen insgesamt 102,2 Milliarden Euro verloren, weil sie viel Geld in Sparprodukte investierten, deren Verzinsung unterhalb der Inflationsrate lag.

Walter appelliert an die Sparer, ihr Anlageverhalten schleunigst zu ändern: "Überlegen Sie sich genau, welchen Teil Ihres Ersparten Sie für unerwartete Ausgaben verfügbar halten müssen und überprüfen Sie regelmäßig, wie oft Sie diesen Teil wirklich gebraucht haben!" Der Rest sollte in den langfristigen Vermögensaufbau investiert werden. Hier führt laut Walter in der aktuellen Nullzinsphase kein Weg an Wertpapieren vorbei. (fp)