Ein Grund für die niedrige Inflation in den USA sind die schwachen Rohstoffpreise der Vergangenheit, sagt Holger Brauer, Portfoliomanager für Global Inflation Linked Bonds bei Nomura Asset Management. Weil die Preise für Öl und andere Rohstoffe zuletzt gestiegen sind, dürften die Konsumentenpreise in den Vereinigten Staaten bald aber doch noch klettern. "Das ist zum Teil bereits an den höheren Import- und Erzeugerpreisen ersichtlich", sagt Brauer. Sobald die Inflationserwartungen steigen und der Arbeitsmarkt Anzeichen einer Überhitzung zeigt, dürften zudem die Löhne anziehen.

Das Zögern der US-Notenbank Fed, ihre geldpolitischen Stimuli zurückzufahren, könnte sich vor diesem Hintergrund als kritisch erweisen. Eine Steuerreform in den USA, die zunehmend wahrscheinlich ist, würde die Investitionen stimulieren und die gesamtwirtschaftliche Nachfrage beleben – und das in einer Zeit, zu der mehr oder weniger Vollbeschäftigung herrscht. "Das dürfte zusätzlich die Inflation ankurbeln", prognostiziert Brauer.

Große Erwartungen
Auch in der Eurozone haben die Erzeugerpreise, die als Frühindikator für die Inflation gelten, zuletzt angezogen. "Ferner nehmen die Inflationserwartungen professioneller Prognostiker zu – trotz der noch verhaltenen Inflationsdaten", sagt der Nomura-Mann. Für einen Zeitraum von zwei Jahren stiegen die Erwartungen von 1,6 auf 1,7 Prozent. Für den Fünfjahreszeitraum rechnen Prognostiker mittlerweile mit 1,9 statt 1,8 Prozent. "Das stimmt zuversichtlich und ist deutlich optimistischer als die in den Anleiherenditen implizierte Inflation für diese Zeiträume, die nur bei etwa 1,2 Prozent liegt", so Brauer. (fp)