In Zeiten steigender Volatilität an den Finanzmärkten bieten US-Anleihen ein attraktives Chance-Risiko-Profil – auch wenn die Zinsen in den USA noch etwas steigen sollten. Davon ist Witold Bahrke, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, überzeugt. US-Zinspapiere sind für ihn durch den Renditeanstieg in den vergangenen Monaten sowohl nach absoluten als auch nach relativen Maßstäben attraktiver geworden. "Egal, ob ein Investor das Ziel verfolgt, sein Kapital abzusichern oder seine Erträge zu maximieren: An US-Zinspapieren kommt er derzeit kaum vorbei", sagt Bahrke. Denn: Auch real haben sich deren Renditen verbessert – trotz gestiegener Inflationsraten.

Bahrke weist darauf hin, dass die reale Rendite zweijähriger Treasury-Bonds auf dem zyklischen Tief bei minus 2,1 Prozent lag. Jetzt liegt sie bei plus 0,6 Prozent. "Das bedeutet: Investoren müssen nicht mehr ihre Durationrisiken erhöhen, um reale positive Renditen zu bekommen", sagt der Anlageexperte. Punkten können US-Staatsanleihen auch in relativer Hinsicht. Ihr Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen ist auf den höchsten Stand seit den 1990er Jahren geklettert. "Der signifikante Aufschlag aus Sicht von Euro-Investoren dürfte dazu führen, dass viele von ihnen das Dollar-Risiko in begrenztem Maße akzeptieren werden", sagt Bahrke. 

Keine Angst vor steigenden Zinsen
Der Grund für die unterschiedliche Zinsentwicklung hüben wie drüben des Atlantiks ist, dass sich das Wirtschaftswachstum in der Eurozone zuletzt verlangsamt hat, während es in den USA stabil geblieben ist. "Dies führt zusammen mit erhöhten politischen Risiken dazu, dass der geldpolitische Kurs der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank weiterhin unterschiedlich verlaufen wird", sagt Bahrke. 

Die Aussicht auf einen möglichen weiteren Zinsanstieg sollte Investoren deshalb nicht schrecken. "Die Renditen zweijähriger Treasury-Bonds müssten auf Jahressicht um 150 Basispunkte steigen, damit der Kursverlust in etwa den Kupon aufzehrt", so Bahrke. Es bräuchte also eine sehr rigide Vorgehensweise der Fed, um diesen Zinspuffer zu pulverisieren. (fp)