Die Stuttgarter Südwestbank hat einen Tipp für alle Investoren, die angesichts des Niedrigzins-Umfelds nach Alternativen suchen: Oldtimer. "Für Kunden mit mehr als einer Million Euro an liquidem Vermögen kann ein Oldtimer mit Blick auf Rendite und Wertstabilität eine attraktive Beimischung für das Portfolio sein", sagt Jens Berner, Oldtimer-Experte im Asset Management der Südwestbank, im Gespräch mit "Bloomberg News".

Um Autoklassiker mit anderen Anlageformen vergleichen zu können, hatte die Bank 2010 den Oldtimer-Index OTX gestartet und diesen rückwirkend bis 2005 berechnet. Während der Aktienindex Dax zwischen Anfang 2005 und dem Jahresbeginn 2018 um 203,5 Prozent zulegte und deutsche Staatsanleihen gemessen am Rex-P um 58,2 Prozent gewannen, notiert der OTX seither 302,6 Prozent im Plus.

682,9 Prozent Wertsteigerung
Besonders gut lief es für die Besitzer eines Porsche 911 mit Oldtimer-Status: Sein Wert stieg zwischen 2005 und 2018 der Südwestbank zufolge um 682,9 Prozent auf zuletzt 129.737 Euro. In der Kategorie "BMW 503/507/3200 CS" ging es immerhin noch um 661,0 Prozent nach oben – auf stolze 551.750 Euro.

"Oldtimer können ein gutes Investment sein, wenn man das richtige Auto zum richtigen Zeitpunkt und zum richtigen Preis kauft", sagt auch Frank Wilke, Geschäftsführer beim Marktbeobachter Classic-Analytics. Als Blue-Chip würden Wagen gelten, die von berühmten Rennfahrern bei internationalen Rennen Erfolge eingefahren hätten und deren Historie lückenlos nachvollziehbar sei.

Ähnlich sieht das Roman Konrads, Chef des Porsche-Zentrums Bensberg, einem Spezialisten für historische Porsche-Wagen. In Zeiten, in denen Zinsen von Sparanlagen nicht mehr überzeugen, erhalte altbewährte Qualität in Form von seltenen Raritäten und Sondermodellen steigenden Wert.

"Fälschungen sind ein großes Thema"
Allerdings ist laut Berner bei Oldtimer-Investments stets Vorsicht geboten, gerade jetzt bei den hohen Preisen. "Fälschungen sind ein großes Thema. Beispielsweise wenn ein Oldtimer zunächst in Einzelteile zerlegt und dann im Kombination mit neuen Teilen zu zwei Wagen zusammengebaut wird", warnt er. "Wenn von einer Reihe mit ursprünglich 200 gebauten Fahrzeugen plötzlich 300 Autos auf dem Markt sind, kann etwas nicht stimmen." Ratsam sei immer der Gang zu einem Gutachter.

Auf die Frage, wie liquide Oldtimer-Anlagen sind, hat Berner keine pauschale Antwort. "Das hängt ganz von dem Modell ab", sagt er. "Für einige Fahrzeuge gibt es nur wenige potenzielle Käufer. Bei anderen, wie etwa dem Porsche 911, ist der Markt hingegen relativ groß."

Grundsätzlich rät er Kunden, nur in Oldtimer ab einem Wert von 100.000 Euro zu investieren. Gutachten, Steuern, Versicherung, Garagenmiete, Wartung und andere Kosten würden bei einem geringeren Preis proportional stärker ins Gewicht fallen. Berner: "Unterm Strich sollte der Oldtimer-Anteil am Portfolio bei maximal zehn bis 15 Prozent liegen."

Autos müssen mindestens 30 Jahre alt sein
In den OTX aufgenommen werden Fahrzeuge, die mindestens 30 Jahre alt sind und die von Herstellern aus dem süddeutschen Raum kommen. Darunter fallen Marken wie Audi, BMW, Daimler, Porsche und Opel. Die Berechnungen basieren auf Zulassungsdaten des Kraftfahrt-Bundesamts und Preisangaben des Fachmagazins "Motor Klassik". Jene 20 Autos, bei denen das Produkt aus zugelassenen Wagen und Preis am höchsten ist, stellen die Index-Mitglieder.

Die Südwestbank, die zur Cerberus-Tochter Bawag P.S.K. gehört, berechnet den Index einmal pro Jahr. Für Berner bedeutet das jedes Mal viel Handarbeit. "Der Datensatz ist immens groß", sagt er. Immer im Frühjahr verwendet er mehrere Wochen auf die Berechnung, unterstützt von Praktikanten. (Bloomberg/bm)