Der Starcap Winbonds+ eilt von Rekord zu Rekord: In seinem konservativen Mischfonds beweist Portfoliomanager Peter E. Huber seit Jahren ein glückliches Händchen. Geht es nach dem Vorstand des Oberurseler Vermögensverwalters Starcapital, lässt sich am Rentenmarkt in Zukunft allerdings nicht mehr so einfach Geld verdienen wie in den letzten Jahren – die besseren Chancen wittert der Anleiheprofi derzeit am Aktienmarkt.

Hubers Markteinschätzung bildet den Auftakt einer kleinen Serie, für die FONDS professionell ONLINE bekannte Manager vermögensverwaltender Mischfonds nach ihrem aktuellen Ausblick befragt hat. In den Wochen bis zum Jahreswechsel veröffentlichen wir in loser Folge weitere Interviews.

Herr Huber, Dax und Dow markieren ein Hoch nach dem anderen. Sind Aktien schon zu teuer geworden oder nach wie vor attraktiv? Stocken Sie Ihre Aktienquote derzeit eher auf oder bauen Sie Positionen ab?

Peter E. Huber: Aktien bieten derzeit das beste Chance-Risiko-Potenzial: Die Bewertungen sind vielerorts attraktiv, private Anleger sind nach wie vor vorsichtig und die Aktienquoten institutioneller Investoren verharren auf niedrigem Niveau. Insbesondere in Europa, welches die Rezession gerade hinter sich lässt und echte Reformen zur Reduktion der Staatsverschuldung ergreift, sehen wir die größten Chancen. Aber auch in ausgewählten Emerging Markets mit attraktiven Bewertungskennzahlen und geringerer Abhängigkeit vom Rohstoffsektor wie China bauen wir derzeit Positionen auf. Nach unseren Fair-Value-Modellen können Anleger in diesen Regionen langfristig mit einem jährlichen Wertzuwachs von circa sieben Prozent noch über die Inflationsrate hinaus rechnen. Keine andere Asset-Klasse bietet derzeit langfristig ein vergleichbares Potential.

US-amerikanische Aktien bilden hier eine Ausnahme: Wir meiden den Markt nicht nur, weil die Verschuldungsproblematik nicht angegangen wird, das Erholungspotenzial der Unternehmensgewinne geringer als in Europa ist und die Stimmung bereits zu optimistisch scheint. Mit einem zyklisch adjustierten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 24,4 notiert der Aktienmarkt rund 50 Prozent über seinem historischen Durchschnitt von 16,5. Bislang folgten auf vergleichbare Bewertungen langfristig stets unterdurchschnittliche Kurszuwächse. Anleger die sich langfristig mit hohen Renditeerwartungen im US-Markt engagieren, sollten hierfür gute Gründe vorweisen können, denn eine solche Entwicklung würde 140 Jahren Börsenerfahrung widersprechen.

In diesem Jahr ist das Renditeniveau an den Kapitalmärkten deutlich gestiegen. Wird 2013 als Jahr der Zinswende in die Geschichte eingehen? Oder bleiben die Zinsen bis auf weiteres niedrig?

Huber: Die letzten 30 Jahre bescherten den Besitzern von festverzinslichen Wertpapieren paradiesische Zustände. Neben einer recht üppigen Rendite dank des Coupons kamen noch regelmäßig satte Kursgewinne aufgrund der sinkenden Zinsen hinzu. Doch diese Zeiten sind leider vorbei. Wenn nicht alles täuscht, liegt das Zinstief hinter uns, und wir befinden uns in einem neuen langfristigen Zyklus mit tendenziell steigenden Zinsen.

In welchen Nischen des Anleihemarktes wittern Sie die größten Chancen?

Huber: Den Anleihe-Investoren wird in den nächsten Jahren der Wind ins Gesicht blasen. Mit dem gewohnten Anlageverhalten, nämlich gute Anleihen kaufen und auf Verfall zu halten, werden keine Gewinne mehr möglich sein. Zumal auch Unternehmensanleihen mit Investment-Grade keine nennenswerten Renditeaufschläge mehr aufweisen. Rentenfonds mit traditionellen Ansätzen werden hierdurch Probleme bekommen.

Dabei bieten sich noch Chancen: Wir sind antizyklische Anleger, das heißt wir reduzieren in Niedrigzinsphasen die durchschnittliche Restlaufzeit unserer Anleihen, um das Zinsänderungsrisiko möglichst klein zu halten. Mit unserem aktiven Durationsmanagement sichern wir darüber hinaus Anleihebestände bei deutlich steigenden Zinsen über den Verkauf von Zins-Futures ab. Positive Renditen erwarten wir auch weiterhin mit dem Erwerb von "Fallen Angels". Dies sind Unternehmensanleihen, die aus dem Investment-Grade-Bereich abgestuft werden auf ein "BB"-Rating. Hier bieten sich oft günstige Einstiegschancen, weil die meisten institutionellen Anleger aus gesetzlichen Gründen oder aufgrund ihrer Statuten solche Anleihen verkaufen müssen. Da sich das Bonitätsniveau bei Staats- und Unternehmensanleihen in den letzten Jahren ohnehin um eine Stufe abgesenkt hat (es gibt kaum mehr "AAA"-Anleihen), verfügen Bonds mit einem "BB"-Rating immer noch über eine ausreichend gute Bonität, und das Ausfallrisiko ist gering. Bei der Fallen-Angel-Strategie verfügen wir über langjährige Erfahrung.

Der Goldpreis hat in den vergangenen Monaten deutlich nachgegeben. War das eine Blase, aus der die Luft entwichen ist? Oder bieten die niedrigen Kurse Einstiegschancen?

Huber: Die Flucht in sichere Anlagen hat den Goldpreis in irrationale Höhen getrieben. Wir warnen bereits seit zwei Jahren vor einer Blasenbildung bei dem Edelmetall. Durch die Rückschläge hat sich die Überbewertung deutlich reduziert, dennoch notiert der Goldpreis noch immer oberhalb historischer Durchschnittswerte. Hinzu kommt, dass ein deflationäres Umfeld mit steigenden Zinsen eher negativ für den Goldpreis ist. Insofern empfehlen wir weiterhin eine Untergewichtung.

Wo lauern in den kommenden Monaten die größten Risiken? Wie schützen Sie Ihr Portfolio davor?

Huber: Die deutschen Privatanleger sind nach wie vor verunsichert und parken einen Großteil ihres Geldvermögens in Bargeld und festverzinslichen Wertpapieren. Gerade einmal fünf Prozent des Geldvermögens stecken aktuell in Aktien. Dabei ist die Aktienanlage die einzige Anlageform, die das Vermögen auch nach Inflation, Gebühren und Abgaben vermehren kann. Gerade langfristige Investoren berauben sich mit dieser einseitigen Allokation jeder Möglichkeit eines langfristigen Kapitalaufbaus, was sich im Hinblick auf die künftige Rentensicherung und vor dem Hintergrund der drohenden Zinswende als dramatisch herausstellen könnte. (bm)