Durch Krisenherde wie den Krieg in der Ukraine gerate die eigentliche Gefahr, die die Gesellschaft existenziell bedroht, aus dem Blick der Öffentlichkeit, warnt Peter E. Huber, Fondsmanager und Vorstand des Fondsanbieters Star-Capital: der wachsende Schuldenberg. Inzwischen hätten die Staatsschulden weltweit eine Höhe erreicht, die – relativ zum Bruttoinlandsprodukt – sogar die Rekordwerte Anfang der 1930er Jahre deutlich überschreite. In Europa seien die Staatsschulden heute fast 60 Prozent höher als vor der Finanzkrise des Jahres 2008. In Japan finanziere die Notenbank inzwischen 85 Prozent der Staatsausgaben.

Eine rigorose Sparpolitik, aber auch die Aufnahme immer neuer Schulden sind aus Hubers Sicht eher zweifelhafte Instrumente zur Überwindung der Schuldenkrise. Noch mehr treffe das auf die schleichende Enteignung der Sparer, also die finanzielle Repression, zu. Der Kapitalmarktexperte macht deutlich, was er von dieser Politik hält: "Was unsere Zentralbanken da treiben, ist ein beispielloses Experiment und wir befürchten, dass dies gründlich in die Hosen geht. Diese Politik erinnert uns an eine Ketchup-Flasche: Man drückt und drückt und plötzlich kommt viel zu viel heraus." Ob das permanente Gelddrucken tatsächlich zu einer Hyperinflation führen werde, dürfte man zuerst in Japan sehen, weil dort am kräftigsten an der Ketchup-Flasche geschüttelt werde.

Aufnahme von Eigenkapital verbilligen
Das aktuelle Programm der Europäischen Zentralbank (EZB) setze am falschen Punkt an, so Huber. Das Zinsniveau sei bereits zu tief und die Konjunktur werde nicht dadurch stimuliert, dass man es noch weiter drücke. In einer Schuldenkrise solle man nicht die weitere Aufnahme von Fremdkapital billiger machen, sondern die Aufnahme von Eigenkapital. Würde die EZB die tausend Milliarden Euro nicht zum Kauf von Anleihen, sondern zum Kauf von Aktien einsetzen, könnten Unternehmen über Kapitalerhöhungen billiger an Eigenkapital kommen und so ihre Verschuldung senken. Die auftretenden Kursgewinne könnten abgeschöpft und gegen die negativen sozialen Folgen der Schuldenkrise eingesetzt werden. "Statt massive Anleihekäufe zu tätigen, könnte die EZB besser jedem Bürger 10.000 Euro schenken. Das wäre ein Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit, die Konjunktur würde stimuliert und kinderreiche Familien begünstigt", sagt Huber.

Es sei allerdings unwahrscheinlich, dass so unkonventionelle Maßnahmen in Betracht gezogen werden. Ein schmerzfreier Weg aus der Schuldenkrise scheine fraglich – die Frage sei, wann es zu einem bösen Erwachen kommt. Huber empfiehlt, größere Anlagen in Staatsanleihen zu meiden, weil sie nur noch ein renditeloses Risiko bieten. Grundsätzlich sollten sich Anleger darüber klar sein, dass alle Vermögensformen negativ betroffen sind. Bei Immobilien habe man Wertzuwächse in der Vergangenheit durch Ergänzungsabgaben abgeschöpft, die Grundsteuern und Grunderwerbsteuern werden erhöht und Mietpreisbremsen richteten bei steigender Inflation großen Schaden an. Auch könnte eventuell der private Goldbesitz wieder verboten werden. Letztlich biete eine Mischung aus Aktien und Unternehmensanleihen den größten Schutz. (fp)