Anleger können das Potenzial massiver Wechselkursveränderungen durch den Ausstieg eines Landes aus dem Euro nicht ignorieren. "Die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, ist jedoch sehr gering", sagt Andrew Bosomworth, Leiter des deutschen Portfoliomanagements beim Fondsanbieter Pimco.

Momentan seien – wie schon in den Jahren zuvor – wieder schwache Anzeichen für ein Redenominierungsrisiko zu erkennen. Unter "Redenominierung" versteht man die Rückkehr eines Euro-Landes zu seiner alten Landeswährung. Im Gegensatz zu früheren Phasen der Redenominierungsgefahr gebe es diesmal aber zwei bedeutende Unterschiede, sagt Bosomworth.

Der erste ist demnach der, dass einige politische Parteien aktiv die Rückkehr zu den alten Währungen vertreten und diese Parteien in der Zustimmung wachsen. In früheren Phasen bestimmten dagegen die Marktkräfte das Potenzial für einen Ausstieg aus dem Euro, so Bosomworth. "Der zweite Unterschied ist, dass die Marktpreise darauf hindeuten, dass die Anleger derzeit das Risiko eines Euro-Ausstiegs für ein Land nicht annähernd so ernst nehmen, wie die Forderungen dieser politischen Parteien klingen", sagt der Stratege. Deshalb sei die Chancen, dass diese tatsächlich gewählt werden, eher gering. "Aber auch wenn am Markt eine geringe Wahrscheinlichkeit impliziert ist, kann man nicht ignorieren, dass die Redenominierung in der gesamten Eurozone Gesprächsthema geworden ist", warnt Bosomworth. Dies habe bedeutende Konsequenzen für die Anleger ebenso wie für die politischen Entscheidungsträger.

Anleger und EZB in Hab-Acht-Stellung
So schmälert die Sorge um den Ausstieg eines Landes aus der Währungsunion die Bereitschaft von Anlegern, sich langfristig grenzüberschreitend zu engagieren und hemmt somit die Bildung einer Kapitalmarktunion. Für die Europäische Zentralbank (EZB) wiederum sorgen höhere Risikoprämien, die mit einem latenten Redenominierungsrisiko einhergehen, für eine Verschärfung der Finanzmarktbedingungen. Außerdem schwächen sie so den Transmissionsmechanismus der Geldpolitik in der Eurozone. Die Notenbank steht laut Bosomworth nun vor dem Dilemma, auf die Verschärfung der Finanzmarktbedingungen zu reagieren – die wiederum durch politische Parteien verursacht wird, die aus dem Euro aussteigen wollen. 

Bei aller Sorge sei er überzeugt, dass keine der Anti-Euro-Parteien bei den anstehenden Wahlen in Frankreich oder Deutschland in der Lage sein werde, eine Regierung zu bilden, sagt Bosomworth. Die Niederlande haben dem Populismus in der Wahl am vergangenen Mittwoch bereits eine Absage erteilt. "Selbst wenn eine solche Partei gewinnen sollte, sind in der Regel für Verfassungsänderungen in so wichtigen Dingen wie der Währung qualifizierte Mehrheiten im Parlament oder Volksabstimmungen erforderlich", sagt Bosomworth. Die Latte für einen Euro-Ausstieg liege somit höher als ein einfacher Wahlsieg. (fp)