Die Koffer sind gepackt, zumindest auf dem Papier. In den vergangenen Wochen haben zahlreiche Finanzhäuser offen ihre brexitbedingten Umzugspläne kommuniziert – und schon Teile ihre Belegschaft eingeweiht. Doch nun regt sich ungeahnter Widerstand gegen den Wechsel des Arbeitsortes. Und der kommt aus dem unmittelbaren Familienkreis einiger Top-Manager, wie das Jobportal Efinancialcareers zu berichten weiß.

So schildert ein Londoner Anwalt, dass die resolute Gattin eines Spitzenbankers, dessen Arbeitgeber er betreut, partout nicht umziehen will: "Das Paar will in London bleiben und die Bank alles unternehmen, um beide zu halten". Mittlerweile habe der Ehemann eingelenkt und aus Rücksicht auf seine Frau Abstand davon genommen, sich eine neue Bleibe auf der anderen Ärmelkanalseite zu suchen.

Offenbar ist er damit nicht alleine. Während Londoner Banker, die vom Kontinent stammen, wenig Bedenken haben, in ihre Heimat zurückkehren, klammerten sich insbesondere nicht-europäische Banker – vornehmlich Amerikaner – an London, heißt es. Da hilft es wenig, dass beispielsweise der von Frankfurt begeisterte Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein unlängst daran erinnerte, dass die US-Bank ja auch noch Büros in Paris betreibe, weil amerikanische Banker die französische Hauptstadt der deutschen Finanzmetropole vorzögen.

Gehen oder bleiben?
Doch für einige komme nicht einmal Paris in Frage. "Meine Frau will London einfach nicht verlassen und besteht darauf, dass ich mir einen neuen Job suche, wenn wir dazu gezwungen werden", schilderte ein namentlich nicht genannter US-Banker dem Karriereportal bereits im vergangenen Jahr. Die resoluten Gattinnen könnten denn auch mit dafür verantwortlich sein, dass Deutsche-Bank-Vorstandschef John Cryan unlängst einräumen musste, weit weniger Mitarbeiter aus der britischen Metropole abzubeordern als zunächst geplant. (ps)