Eine Rentenversicherung ist kein Investmentprodukt, sondern die biometrische Absicherung von Langlebigkeit – und damit die wichtigste Basis einer Einkommensstrategie im Ruhestand, um den Lebensstandard zu sichern. So sehen das jedenfalls die Spezialisten der Berliner "Initiative Ruhestandsplanung". Häufig sei aber einschränkend selbst bei Experten zu lesen, man müsse 20 oder 25 Jahre leben, damit sich die Rente tatsächlich lohne. Demnach werde die Rentenversicherung vielfach als eine Art Wette missverstanden, die man als Kunde stets verliere. "Aus unserer Sicht hat all das nichts mit Fakten und der Realität zu tun", so Olaf Neuenfeldt, Vorstand der Berliner Initiative.

Klassische Rentenprodukte seien "Zwitter", so Neuenfeldt: Es gebe eine Ansparphase, in der es vor allem um die Wertentwicklung der Anlage, das heißt den Vermögensaufbau, gehe. "Hier stehen Rentenversicherungen im Wettbewerb etwa mit Fondslösungen." Die zweite relevante Phase sei die Rentenphase. Hier gehe es nicht mehr um Performance, sondern um die Absicherung des wichtigen biometrischen Risikos "Langlebigkeit", also der steigenden Lebenserwartung. "Hier ist die Rentenversicherung dann ein reines Versicherungsprodukt zur Absicherung der Langlebigkeit und konkurriert nicht mit anderen Investmentprodukten", klärt Neuenfeldt auf.

Wichtigkeit noch nicht von genug Marktteilnehmern erkannt
Die private Rentenversicherung sei das einzige Produkt, das ein lebenslanges Einkommen garantiert und somit Lebensstandard und Konsum sichert, schlussfolgert Neuenfeldt. Dieses Thema sei von der Wichtigkeit noch nicht von genug Marktteilnehmern erkannt worden. Er sei immer wieder überrascht, wie wenig gerade die klassischen Experten im Markt die entsprechenden Themen richtig einordnen, denn garantierte Ausgabenströme würden eben auch garantierte Einnahmen benötigen.

"Die Missverständnisse sind riesig“, pflichtet ihm Ronald Perschke, Vorstand der Initiative Ruhestandsplanung bei. "Man merkt, dass sich die Themen über Jahrzehnte in den Köpfen der Kunden, aber auch der Berater und der Versicherungsbranche im Ganzen festgesetzt haben", so Perschke. Die Rentenversicherung sei einfach ein unverstandenes Produkt, so der Experte.

Unzulässiger Vergleich
Das fehlende Verständnis bemerke man vor allem bei klassischen Einwänden wie "Da muss ich ja mindestens 85 oder 90 werden, damit sich die Rente lohnt!" Hier werde ein Risikoprodukt mit Investmentkriterien verglichen. So ein Vergleich sei nicht zulässig. Eine Gebäudeversicherung lohne sich ja auch nicht erst im Falle eines Brandes, sondern biete Schutz bei bedeutenden Risiken.

"Die Rente lohnt sich, weil sie im Gesamtkontext der Sicherung des Einkommens, also des Lebensstandards, lebenslang Einkommen liefert", so Perschke. Lebenslang bedeute auch bis 90 oder 100 oder noch länger. Und da heute 65-jährige Frauen mit einer 34-prozentigen Chance (Männer mit knapp 20 Prozent) das Alter 95 erreichen – bei klar steigender Tendenz – sei die Langlebigkeit nun mal ein sehr relevantes "Finanzrisiko" in der Ruhestandsplanung. (hh)