Dass Normalbürger im Schulfach "Kapitalmarktwissen und Finanzplanung" – wenn es ein solches gäbe – locker eine Sechs kassieren würden, ist weithin bekannt. Ein paar Antworten aus einer Anlegerstudie des Forschungsinstituts Toluna aber, das die Direktbanken Comdirect, ING-Diba, Consors und Maxblue anlässlich des kommende Woche stattfindenden dritten "Tages der Aktie" in Auftrag gegeben haben und aus der die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) vorab zitiert, sind dennoch geeignet, selbst hartgesottenen Profis die Haare zu Berge stehen zu lassen.

So wird auf die Frage: "Was könnte Sie dafür begeistern, in Zukunft Ihr Geld in Aktien anzulegen?" am häufigsten angekreuzt: "Wenn auch kleine Summen in Aktien investiert werden könnten“. Dass Fondssparpläne bereits ab Mindestbeträgen von 25 Euro monatlich machbar sind, scheint sich nicht herumgesprochen zu haben. Die ebenfalls häufige Antwort, "eventuelle Verluste automatisch zu begrenzen“ macht ebenfalls fassungslos. Erst recht die Behauptung, dass "günstige Gebühren“ ein Motiv wären, vermehrt in Aktien zu investieren.

Andere würden verstärkt Aktien kaufen, wäre nur die Abwicklung einfach und online möglich – zumindest behaupten sie das. Standard ist auch dies längst – spätestens seit dem Siegeszug von Direkt- und Onlinebanken vor knapp 20 Jahren. Dass es außer der Aussicht auf Kursgewinne für Aktionäre und Aktienfonds-Besitzer auch noch ein finanzielles Zubrot namens Dividende gibt, wussten gerade mal 21 Prozent der Befragten.

Völlig verquere Renditevorstellungen
Entsprechend verschätzen sich die meisten auch kolossal, wenn es um die zu erwartende Rendite bei Aktien ging: Mit 3,6 Prozent wird im Durchschnitt gerechnet. Für ETFs, die zum Beispiel einen Aktienindex nachbilden, wird – warum auch immer – sogar nur eine Rendite von 1,7 Prozent erwartet.

Ganz anders das Bild bei den "Sparerlieblingen": Bei Festgeld rechnen die Deutschen mit einer Rendite von 2,1 Prozent. Auch beim Tagesgeld (1,7 Prozent), Sparbuch (ein Prozent) und sogar beim mittlerweile eigentlich nur noch Kosten verursachenden Girokonto (0,9 Prozent) haben die Befragten ihre Erwartungen der Realität offenbar seit Jahren nicht mehr angepasst.

Dass nur 29 Prozent der Deutschen mit den Begriffen "Aktien" und "Aktienfonds" etwas Positives verbinden, erstaunt dann schon weniger. Noch geringer ist das Ansehen für den deutschen Leitindex Dax (25 Prozent), die Börse generell (22 Prozent), die New Yorker Wall Street (zwölf Prozent) oder den Begriff "Volksaktie" (zehn Prozent). Sehr positiv besetzt sind hingegen Begriffe wie Sparbuch, Tagesgeld, Geld sparen und vor allem "Eigenheim". Verblüffend hingegen: Mit Banken und Bankberatern werde selbst nach der Finanzkrise mehrheitlich Positives verbunden, berichtet die "FAZ".

Aktionäre blicken positiver auf die Börse
Zur Erklärung muss angemerkt werden, dass die meisten Befragten bislang selbst nie Aktien besessen oder etwas mit der Börse zu tun gehabt haben. Unter den Aktionären wiederum ist das Ansehen von Aktien der Studie zufolge ausgesprochen positiv und viel besser als das Ansehen von Banken, Bankberatern oder dem Sparbuch. Auch Begriffe wie Dax und Börse sind unter Aktionären positiv besetzt.

Die geteilten Meinungen über Aktien könnte auch mit den Informationsquellen der Menschen zusammenhängen, schreibt die "FAZ": So sei für viele Menschen der Berater in der Bank weiterhin die wichtigste Informationsquelle – obwohl der eher ein Verkäufer sei. Aktien- und Fondsbesitzer dagegen informierten sich wesentlich öfter in neutralen Medien wie Tageszeitungen, Fachzeitschriften oder Finanzportalen im Internet. (fp/ps)