Das "Bureau of Labor Statistics" (BLS) und das "Bureau of Economic Analysis" (BEA) sind sich einige wie selten: Beide erklären unisono, dass die unrichtige Messung des Preisindex zu einer Unterschätzung des Wachstums des realen Outputs führe, berichtet die Plattform zerohedge.com. Dies schrieben fünf aktive beziehungsweise ehemalige leitende MItarbeiter dieser Behörden in einem Papier, das am 3. Mai 2017 im "American Economic Association’s Journal of Economic Perspectives" publiziert und letzte Woche auf einem Meeting des BEA Advisory Committee präsentiert wurde. 

Ökonomen stellen seit Jahren in Frage, ob die Statistikbehörden mit dem Wandel in der Wirtschaft (Digitalisierung, innovationsbasierte Ökonomie) fertig würden, der die Qualität von Waren und Dienstleistungen verbessere. Tatsächlich ist es schwierig, gerade in Bereichen wie der Technologie oder den medizinischen Dienstleistungen mit der Enrwicklung Schritt zu halten. Immerhin machen Gesundheitsausgaben 17,5 Prozent des US-BIP im Jahr 2014 aus.

Trotz einiger Verbesserungen seien die bislang vorgenommenen Daten-Korrekturen, die man infolge der veränderten Qualität vorgenommen habe, nicht so vollständig, wie sie sein könnten, sagte Erica Groshen, eine der Autorinnen des Papiers und für vier Jahre BLS-Commissioner bis Ende Januar 2017. Dass man von den Methoden erhöhte Genauigkeit Abstand genommen hatte, habe mit den hohen Kosten und der Computer-bezogenen Rechenintensität sowie dem Umstand zu tun, dass man größere Samples benötige. Die US-Wirtschaft wuchs im Schnitt mit 2,1 Pozent pro Jahr seit 2009, während in der davorgehenden Expansion das Wachstum bei 2,8 Prozent gelegen war, zeigen BEA-Daten.

Ermessensfragen bleiben offen
Betrachtet man den privaten Konsum als Teil des BIP, so stellten die Autoren fest, dass die Preise wohl um 0,2 Prozentpunkte im Jahr 2000 überschätzt wurden, wobei dieser Prozentsatz auf 0,26 Prozentpunkte im Jahr 2015 gestiegen ist. Wenn aber die Inflation tendenziell überschätzt wird, dann bedeutet dies gleichzeitig, dass das reale Wachstum des BIP unterschätzt wird.

Verbunden mit einigen Fehlschätzungen kommen die Autoren zum Ergebnis, dass sich der Gesamteffekt der Unterschätzung des BIP auf 0,4 Prozentpunkte für die Jahre 2000, 2005, 2010 und 2015 beläuft. Das sei alles nicht neu, so die Autoren weiter, "Ausmaß und Zeitpunkt der Feststellungen erklärten aber wahrscheinlich nicht das Muster eines sich verlangsamenden Wachstums in den letzten Jahren."

Die Überschätzung der eigentlichen Inflation ist eine Tatsache, die auch die Notenbank Fed nicht kalt lassen kann, denn die Zentralbanker müssten sich fragen, ob das zweiprozentige Inflationsziel nicht zu niedrig angesetzt ist. Auf annualisierter Basis ist der Preisindex für die private Konsumausgaben nur einmal seit April 2012 um mehr als zwei Prozent gestiegen.  

Inflations-Irritationen
Was das BIP- und das Produktivitätswachstum anbelange, würden die Erkenntnisse das Bild des Rückgangs der Produktivitäts-Wachstumsraten nicht wirklich verändern, sagt Julia Coronado, President von MacroPolicy Perspectives LLC in New York. Die frühere Fed-Ökonomin meint, dass diese Erkenntnisse vielmehr die Denkweise in Bezug auf den inflationören Druck verändern werde.

Groshen, früher Volkswirtin der New Yorker Fed, meint, es sei schwierig festzulegen, wie hoch die optimale Inflationsrate sein sollt. Generell sind die Ökonomen davon überzeugt, dass diese niedrig sein soll, genauso wie die Wirtschaftssubjekte darauf vertrauen können sollen, dass dies auch in der Zukunft so bleibt. Wenn es größere Messprobleme gebe, könne man für eine höhere Zielinflationsrate und eine größere Toleranz-Bandbreite argumentieren. (kb)