Die Monatsberichte der Bundesbank liefern nur selten Gesprächsstoff. Diesmal aber ist es anders: Entgegen allen Vermutungen, dass die Bundesbürger wegen ihrer Sparbuchtreue und ihrer Aktienabstinenz unterm Strich Vermögen vernichten statt aufzubauen, scheint die neueste Statistik diesem Szenario die Grundlage zu entziehen.

So sei die Gesamtrendite aller Anlagen der Deutschen trotz der Niedrigzinsen auf Einlagen nicht negativ. Auch nach Abzug der zuletzt gestiegenen Inflation komme unterm Strich noch ein positiver Ertrag heraus, betont die Bundesbank in ihrem Papier, das sie am Montag veröffentlichte. Die reale Gesamtrendite sei zwar niedrig, mit 1,9 Prozent im ersten Quartal aber immer noch positiv. "Damit lag sie zwar unter dem langfristigen Mittel seit dem Jahr 1991 in Höhe von 2,8 Prozent, gleichzeitig überstieg sie aber geringfügig den Mittelwert seit dem Jahr 2008 von 1,7 Prozent", teilten die Währungshüter mit.

Sind die Mahnungen professioneller Vermögensberater, dass sich die Deutschen regelrecht arm sparen, also reines Marketing? Ist das Gerede um die "Zinsfalle" nur hohles Geschwätz? Oder anders gefragt: Macht der deutsche Durchschnittssparer am Ende doch alles richtig?

Werthaltigste Anlageform kommt zu kurz
Um das zu beantworten, lohnt ein detaillierter Blick auf die Bundesbank-Daten. Analysiert wurde die Gesamtperformance des deutschen Sparvermögens, das Ende März immerhin rund 5,85 Billionen Euro ausmachte. Davon waren knapp 2,28 Billionen Euro Bargeld oder als Einlagen bei Banken auf Giro- und Sparkonten geparkt. Hinzu kamen Anteile an Investmentfonds im Wert von 1,24 Billionen Euro. Die Ansprüche gegen Versicherer, vor allem Lebensversicherer, summierten sich auf 2,14 Billionen Euro.

Die Statistik schlüsselt die Gesamtrendite nach der Performance ihrer Vermögensbestandteile auf, von Aktien inklusive Dividenden über die Ansprüche gegenüber Versicherungen, der Rendite von Schuldverschreibungen sowie von Fondsanteilen bis hin zu den allseits beliebten Bargeld- und Sichteinlagen. Außerdem interessierte die Bundesbanker, wie sich die Wertbeiträge einzelner Assets an der Gesamtrendite eines Portfolios über die Zeit entwickelten.

Erster Befund: Der Beitrag von Aktien war in den vergangenen Jahren überwiegend positiv – was für andere Anlageformen nur bedingt und zuletzt gar nicht mehr behauptet werden kann. Nicht zuletzt wegen der extrem expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der guten Konjunktur in Europa, den USA und in anderen wichtigen Wirtschaftsräumen sind die Kurse von Aktien zum Teil deutlich gestiegen. Dabei dürfte es bleiben: Langfristig gesehen, das zeigte unlängst eine Ausarbeitung von Schroders Investment, können Anleger bei Europa-Aktien mit einer realen Rendite von knapp fünf Prozent pro Jahr kalkulieren.

Durchweg positiv und laut Bundesbank auch nennenswert für die Gesamtrendite waren zudem die Erträge von Versicherungsprodukten. Ihre Rendite ist allerdings seit 2016 deutlich gesunken und inzwischen nur noch knapp positiv.

Auf Bankeinlagen inklusive Bargeld, deren Anteil am Portfolio mit fast 40 Prozent typischerweise sehr bedeutend für das Nervenheil deutscher Sparer ist, trifft das längst nicht mehr zu. "Die Renditen von Bankeinlagen einschließlich Bargeld sank zuletzt deutlich unter Null. Dies war vor allem auf den seit Mitte 2016 vorherrschenden Anstieg der Inflationsrate zurückzuführen", notieren die Bundesbank-Beobachter hierzu. Die Chancen, dass sich daran rasch etwas ändert, sind ebenfalls gleich oder nahe Null.

Inflation als unsichtbarer Helfer
Der zweite Befund erstaunt umso mehr: Positiv wirkte sich in den vergangenen Jahren nämlich zumindest partiell die negative Inflation aus. Die leichte Deflation der Jahre 2014 und 2015 trug zunächst positiv zur Änderung der realen Rendite bei. Seit Mitte 2016 knabbert die Inflation jedoch wieder Performance weg. Oder anders ausgedrückt: Derzeit liegt die Inflation gemessen an den Konsumentenpreisen in Deutschland mit 1,7 Prozent deutlich über den Verzinsungen, die mit vielen Anlageklassen zu erzielen sind.

Die realen Renditen auf Bankeinlagen und Versicherungsansprüche haben deshalb zuletzt markant nachgegeben, weil die gestiegene Inflationsrate – im ersten Quartal kurzzeitig gut zwei Prozent – Sparern von den sowieso geringen Erträgen wieder größere Portionen wegnahm. Die realen Einlagenzinsen sanken dadurch sogar deutlich unter Null.

Einmal und nie wieder
Der Beitrag von Wertpapieren war ebenfalls über weite Strecken positiv. "Da ihr Portfolioanteil aber vor allem seit 2009 mit weniger als einem Viertel vergleichsweise gering ist, spiegelten sich ihre zeitweilig sehr hohen Renditen in den vergangenen Jahren nur begrenzt in der Gesamtrendite wider", stellen die Bundesbanker fest.

Zudem hätten die privaten Haushalte die Zusammensetzung ihrer Portfolios trotz der unterschiedlichen erzielbaren Renditen kaum variiert. Einzig nach dem Platzen des New-Economy-Booms wurden Aktien en gros verkauft – seitdem seien Privatanleger nicht wieder nennenswert eingestiegen. Es bleibt also dabei: Ohne ein baldiges Umdenken verschenken die Bundesbürger weiterhin massiv Rendite. (ps)