Der Kurs der virtuellen Währung Bitcoin ist in Folge diverser Skandale nach unten gerauscht. Bitcoin-Händler mussten aufgeben oder wurden Opfer von Online-Banditen und verloren viel Geld. Jetzt ist es still geworden. Das ist entweder eine Chance für einen Neuanfang – oder Ausdruck eines schleichenden Todes, meint Uwe Zimmer, Vorstand der Kölner Vermögensverwaltung Meridio. Immer noch schlage vielen Bitcoin-Akteuren der Generalverdacht entgegen, das ganze Geschäft sei unseriös. "Die Skandale der vergangenen Jahre haben dazu beigetragen, solche Urteile zu verfestigen. Und ganz unbegründet waren die Vorbehalte ja auch nicht", so Zimmer. "Das allerdings ist bei den Bitcoins nicht anders als in anderen unregulierten oder nur wenig regulierten Märkten." Anleger sollten nicht blindlings auf die erstbeste Plattform zu gehen, echte Euros überweisen und darauf hoffen, dass dafür Bitcoins kommen.

Es habe sich bereits eine ganze Reihe von Dienstleistern rund um die Bitcoins etabliert, gibt der Vermögensverwalter zu bedenken. Zudem werde die virtuelle Währung von einer steigenden Zahl von Händlern akzeptiert. In Asien, vor allem in Südkorea, gewinnen Bitcoin-Zahlungen tatsächlich Marktanteile. Zudem würden immer mehr Unternehmen an Verschlüsselungssystemen arbeiten und einige neu gegründete Fin-Techs Bitcoin als Depotwährung nennen.

Echte Alternative zu harten Währungen
Dem Kurs haben die Skandale heftig geschadet. Auf der Spitze des Hypes wurden pro Bitcoin mehr als 1.200 US-Dollar bezahlt. Derzeit liegt der Kurs bei etwa 220 Dollar. Der Absturz biete die Chance, dass ein großer Teil der Spekulanten jetzt aus dem Markt geht, so Zimmer: "Denn natürlich war der Kurs des Bitcoin angeheizt worden von Menschen, die das schnelle Geld machen wollten. Für die Bitcoins also keine Währung, sondern eine Anlageklasse wie etwa Gold waren." Jetzt bestehe die Chance, dass Bitcoins wieder mehr als Zahlungsmittel gesehen werden denn als Anlageklasse und Spekulationsobjekt. "Wenn das passiert könnte hier eine wirkliche Alternative zu den Landeswährungen entstehen", ist der Meridio-Chef überzeugt.

Es sei indes noch immer möglich, dass Bitcoins so viel Vertrauen verspielt haben, dass in dem Kursverfall nur das sinkende Interesse an dem Experiment zum Ausdruck kommt. "Das wäre schade, damit würde sich der Ausflug Bitcoin aber nur einreihen in viele andere gescheiterte Versuche, die Herrschaft der Massen des Netzes gegen die Monopole der Staaten durchzusetzen", so Zimmer. Sollte es zu weiteren Skandalen kommen, sollten zwielichtige Gestalten die Herrschaft über die Bitcoins an sich reißen, sollten Anleger oder Bitcoin-Bezahler betrogen und abgezockt werden, dann könnte das Ende sehr schnell kommen: "Aus Bitcoin wird Shitcoin, und das braucht dann niemand mehr." (fp)