Der deutsche Sozialreformer Silvio Gesell hat vor rund hundert Jahren die Idee eines "Schwundgeldes" formuliert. Kern seines Vorschlags war, Geld mit einem eingebauten Wertverlust zu versehen, mit einer Art automatischer Inflation. Die Europäische Zentralbank (EZB) kennt die Probleme, die das Horten von Bargeld für eine Volkswirtschaft mit sich bringt, erklärt Markus Richert, Seniorberater bei Portfolio Concept Vermögensmanagement in Köln. Durch die Negativzinsen, die den Bürgern das Sparen verleiden sollen, übt EZB-Chef Mario Draghi quasi den Schulterschluss mit Gesell.

Die Inflation in der Eurozone nimmt allmählich an Fahrt auf. Im laufenden Jahr sehen Ökonomen die Teuerung bei zwei Prozent. "Das sind keine guten Aussichten für konservative Sparer", sagt Richert. "Ihr Geld wird weiter an Wert verlieren, wenn sie es zu Minizinsen auf dem Tagesgeldkonto oder dem Sparbuch liegen lassen." Im Juli dieses Jahres ist die Inflationsrate sogar überraschend auf 2,1 Prozent hochgeschnellt und lag damit auf dem höchsten Stand seit Dezember 2012. Sparer sitzen derzeit also auf einem großen Haufen Schwundgeld.

Notgeld statt Hyperinflation
Nicht einmal Strafzinsen konnten Sparer zuletzt zum Gang an den Kapitalmarkt bewegen. Dabei hat Gesells Freiwirtschaftslehre in der Vergangenheit durchaus funktioniert, sagt Richert. In der Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre hatte die österreichische Stadt Wörl ein Notgeld eingeführt, das automatisch an Wert verlor, wenn man nicht monatlich eine Marke im Wert von einem Prozent des Nennwerts kaufte. Berichten zufolge hatte das den gewünschten Effekt. "Die Mehrheit der Ökonomen ist allerdings skeptisch, ob ein solches System auch in der komplexen Welt einer großen Volkswirtschaft funktionieren würde", erklärt Richert. (fp)