Die Indexfamilie rund um das deutsche Leitbarometer Dax hat einen Großumbau vollzogen: Die Trennung zwischen klassischen und Technologieaktien ist aufgehoben. Nunmehr können Wertpapiere sowohl im Tec-Dax wie auch im Dax, M-Dax oder S-Dax zugleich gelistet werden. Doch nicht nur in Deutschland sorgt die Reform für eine Generalüberholung der Leitbarometer. Weltweit ziehen diese Woche gut 1.100 Unternehmen in eine Index-Heimat um. Im Zuge dessen müssen auch herkömmliche wie börsengehandelte Indexfonds (ETFs) ihr Portfolio umbauen.

Dies trifft auch bekannte Börsengrößen wie Facebook, Twitter oder den Google-Dachkonzern Alphabet. Die Giganten wandern von den US-Branchenbarometern für Informationstechnologie in den neuen, erweiterten Sektor Kommunikationsdienste. Hintergrund für den Umbau ist die Überarbeitung des internationalen Standards für die Branchenzuordnung von Unternehmen. Diese einheitliche Klassifizierung war 1999 von den Indexanbietern MSCI und Standard & Poor's (heute S&P Dow Jones Indices) ins Leben gerufen worden.

Goldene Zeiten für Arbitrage
Aufgrund der Rochade müssen Indexfonds und ETFs Aktien mit einem enormen Volumen austauschen. "Wir schätzen, dass der Sektorumbau alleine in den USA Handelsaufträge im Volumen von 25 bis 30 Milliarden Dollar auslöst", sagte Matthew Bartolini, Leiter des Research für die Region Amerika bei State Street Global Advisors, der Wirtschaftszeitung "Financial Times". "Zusätzlich durchläuft der S&P 500 seinen turnusmäßigen Umbau, was ein Handelsvolumen in Höhe von 50 Milliarden Dollar nach sich ziehen könnte", ergänzte Bartolini.

Die Regeländerungen locken einen bestimmten Typ Finanzakteur an: Arbitrageure. Da absehbar ist, welche Wertpapiere ETFs kaufen und verkaufen müssen, verzerrt dies die Preise. Die Investoren positionieren sich für die Umbauten und decken sich beispielsweise vorab mit Titeln ein, um diese dann mit Gewinn an ETFs losschlagen zu können. (ert)