Fast zehn Jahre dauert die Rallye an den weltweiten Börsen bereits – einer der längsten Aufschwünge überhaupt. Die Experten des Werthstein Instituts sehen nun aber vermehrt Anzeichen dafür, dass die Hausse sich ihrem Ende nähert. Das Werthstein Institut, ein unabhängiges Gremium von Ökonomen und Investmentexperten, ist von dem digitalen Vermögensverwalter Werthstein mit Sitz in München gegründet worden.

"Ich sehe eine Reihe von wachsenden währungs- und geopolitischen Risiken", sagt Werthstein-Expertin Valérie Plagnol. Nach dem Handelskrieg drohe nun auch ein Währungskrieg mit China. Den Nato-Gipfel könnte US-Präsident Donald Trump für Zugeständnisse der Partnerländer für seine aggressive Handelspolitik nutzen. "Und was passiert beim Treffen von Trump und Putin?", fragt Plagnol. In Summe werden die politischen Risiken die Aktienmärkte weiter belasten, ist sie überzeugt.

Wenig Raum für steigende Unternehmensgewinne
Für Giles Keating, Leiter des Werthstein Instituts, hat die US-Wirtschaft zwar noch die Kapazitäten, um weiter zu wachsen. Der von Trump angezettelte Handelskrieg mache dies aber zunehmend schwieriger. Zudem seien sowohl in den USA als auch bei den Rohstoffpreisen schon inflationäre Tendenzen zu erkennen. Mit steigenden Zinsen fiele ein wesentlicher Treiber der Rallye weg. "Vor diesem Hintergrund sehe ich nur wenig Raum für steigende Unternehmensgewinne", erklärt Keating. Das geht in der Regel zu Lasten der Aktienkurse.

Optimistisch bleibt hingegen Robert Halver. Die Wachstumsraten würden zwar geringer, aber die Zinsen notierten immer noch nahe ihren historischen Tiefstkursen. Die Unternehmensgewinne stiegen noch. Zur Aktie sieht Halver auch kaum Alternativen. "Die Anleger sind in dem gleichen Dilemma wie im Bullenmarkt der vergangenen neun Jahre", sagt er. "Die Liquidität wird weiter in den Aktienmarkt fließen und die Rallye am Leben halten."

Risiken überwiegen
In der Gesamtsicht überwiegen für die Experten des Werthstein Instituts die Risiken. Der Werthstein Index sinkt im Juli auf 3,3 Punkte, nach 3,8 Punkten im Vormonat. Der Index drückt die durchschnittliche Einschätzung der Mitglieder des Werthstein Instituts zur Entwicklung der globalen Aktienmärkte für die kommenden drei Monate aus. Mögliche Wertungen liegen zwischen 1 (extrem negativ) und 10 (extrem positiv). (fp)