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21.09. | 2012

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Luca Pesarini: Europa in keiner Weise vom Konkurs bedroht

Die Darstellung der Schuldenproblematik ist allgemein bekannt und sorgt am Kapitalmarkt für konstante Volatilität. Fügt man den Daten die Pro-Kopf-Nettovermögen hinzu, ergibt sich jedoch ein komplett anderes Bild der "Verschuldungskrise".

Fondsmanager Guido Barthels und Luca Pesarini

Fondsmanager Guido Barthels und Luca Pesarini

Warum vergleichbar arme Länder wie Estland, die Slowakei und Slowenien vergleichbar reicheren Länder wie Griechenland, Irland, und Portugal mit Finanzspritzen helfen müssen, bleibt das Geheimnis der Politik. "Wenn jetzt auch noch das vermeintlich reichste Land Europas Deutschland dem vermeintlich armen Italien helfen müsste, dann hätten wir nicht zu Unrecht eine Radikalisierung der Politik provoziert", erklären die Autoren, Guido Barthels und Luca Pesarini, in ihrem neuen Monatsbericht der luxemburgischen Investmentgesellschaft Ethenea.

Dem Betrachter wird somit klar, dass Europa in keinster Weise vom Konkurs bedroht ist – zumindest wenn man die europäischen Staaten als eine Einheit aus Staat und Bevölkerung ansieht. "Europa würde nur pleitegehen, wenn die Politik unfähig oder nicht willens ist, das Privatvermögen zugunsten der öffentlichen Haushalte nachhaltig zu belasten. Entweder über Leistungskürzungen oder über Besteuerung. Die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, ist aber vergleichbar gering, denn die nächsten Wahlen kommen bestimmt", so Barthels und Pesarini. 
 
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Die Grafik zeigt auf, dass die privaten Vermögen in allen Fällen deutlich mehr als die öffentlichen Schulden ausmachen. Selbst Griechenland hat in 2011 immer noch fast doppelt so viel Privatvermögen wie Schulden. Anmerkung: Öffentliche Pro-Kopf-Schulden (türkis) und Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung (dunkelblau) in US-Dollar sowie Pro-Kopf-Privatnettovermögen (rot); Quelle: Credit Suisse, Worldbank, CIA, IMF, Ethenea
 
Konjunkturbereinigte Daten durchaus günstig
Dank der monetären Interventionen von EZB, IWF, EFSF und bald womöglich ESM haben die Kapitalmärkte offenbar wieder Vertrauen, zumindest in gewissem Maße, in die Rückzahlungsfähigkeit der Staaten gefasst. Dass strukturelle Änderungen in den Haushalten vieler Staaten notwendig sind, bleibt wohl außer Frage. Sieht man sich die Primärsalden der Euroländer – das Budget als Prozent des BIP ohne die Zinsbelastungen – an, scheinen die Chancen allerdings gut zu stehen, dass viele Länder ihre Defizite selbst bei unveränderten Zinsniveaus verringern können.
 
  Realzinsen (Inflation 1,9 %) PrimärsaldoDifferenz
Belgien -0,1 0,5-0,6
Deutschland -0,9 1-1,9
Finnland -0,6 -21,4
Frankreich -0,4 -2,21,8
Italien 3,2 30,2
Irland 3,8 -4,48,2
Niederlande -0,5 -3,22,7
Österreich -0,5 -0,90,4
Portugal 7,5 0,17,4
Spanien 3,8 -3,67,4

Die einfache Faustregel lautet: Liegt das langfristige Wirtschaftswachstum über der Differenz aus Primärsaldo und realer Verzinsung, sinkt die Verschuldung. Die Grafik zeigt, dass Länder wie Belgien, Deutschland, Österreich, Finnland, Frankreich und auch Italien durchaus gute Chancen haben, selbst bei unveränderten Zinsniveaus ihr Defizit zu verringern, da ihre Wachstumsraten wohl im langfristigen Mittel über der Summe liegen dürften. 

Financial Repression
Allerdings stellt ein negativer Realzins in gewisser Weise eine schleichende Enteignung der Investoren dar. Da die meisten Investoren über längere Zeit keine negativen Zinsen akzeptieren würden, müssten Regeln aufgestellt werden, die bestimmten Investoren entweder andere Anlageformen erschweren oder Staatsanleihen in anderer Weise schmackhaft machen. "Man könnte die neuen Bankenrichtlinien Basel III und Versicherungsrichtlinien Solvency 2 in dieser Weise interpretieren, da hier die Eigenkapitalanforderungen ganz klar Staatsanleihen favorisieren", so das Fazit der beiden Fondsmanager. (dw)
 

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