John Cryans Worte klangen eindeutig: "Die Deutsche Asset Management ist und bleibt ein essenzieller Bestandteil unseres Geschäftsmodells", hatte der Chef der Deutschen Bank seine Mitarbeiter im September 2016 per Rundbrief wissen lassen. Damit sollten die Gerüchte um einen möglichen Verkauf oder einen Börsengang der Fondssparte, die damals kursierten, endlich vom Tisch sein.

Nun zeigt sich, dass die Gerüchte doch nicht ganz falsch waren: Die Bank möchte sich via Börsengang von einem Minderheitsanteil an der Deutschen AM trennen (FONDS professionell ONLINE berichtete). Vielleicht hatte Cryan vor einem halben Jahr absichtlich die Formulierung "bleibt ein essenzieller Bestandteil" gewählt, statt "bleibt vollständig in unserem Besitz" zu schreiben. Jetzt muss er sich immerhin nicht ankreiden lassen, damals die Unwahrheit verkündet zu haben.

Trotz des Börsengangs bleibe das Asset Management "integraler Bestandteil des Geschäftsmodells", verspricht die Bank. Die größere Unabhängigkeit soll das Wachstum des Geschäfts erleichtern, die Rolle als "Treuhänder der Kunden" unterstreichen und den Anbieter "im Wettbewerb um die besten Talente attraktiver" machen. Der wahre Grund ist aber ein anderer: Der Börsengang soll Geld einspielen, das die Bank braucht, um ihr Eigenkapital aufzupolstern.

Das Tafelsilber des Konzerns
Dieses Ansinnen ist kurzfristig verständlich, dürfte sich langfristig aber als strategischer Fehler entpuppen. Denn das Asset Management ist das Tafelsilber des Konzerns. Zwar musste die Sparte zuletzt sechs Quartale in Folge zum Teil hohe Mittelabflüsse hinnehmen, im Kern ist die Deutsche AM jedoch gesund. Die Abflüsse stammen zu einem großen Teil aus margenschwachen Produkten, während einige margenträchtige Fonds hohe Zuflüsse verbuchen. Dass die Sparte 2016 rote Zahlen schrieb, lag vor allem an hohen Abschreibungen in Zusammenhang mit dem Verkauf von Abbey Life. Ohne diesen Sondereffekt war die Deutsche AM im vergangenen Jahr sogar profitabler gewesen als 2015 – trotz der hohen Abflüsse.

Ebenso wichtig: Die Performance der Fonds stimmt. Es ist jedenfalls nicht so, dass schwache Anlageergebnisse weitere Mittelabflüsse erwarten lassen. Im Gegenteil, die Deutsche Asset Management sollte als Marktführer im Heimatland stark davon profitieren, dass immer mehr Sparer zu Anlegern werden, um ihr Geld in der Nullzinswelt vor der Inflation zu retten. Auch die Reform der betrieblichen Altersvorsorge in Deutschland dürfte Asset Managern in den kommenden Jahren ein paar wertvolle Trümpfe in die Hände spielen. Von diesen Trends wird die Deutsche Bank künftig nicht mehr zu hundert Prozent profitieren können, sondern nur noch zum Teil.

Fatales Signal nach innen
Der Teilbörsengang könnte zudem ein fatales Signal nach innen senden. Die Sparte befindet sich seit fast fünf Jahren in einer permanenten Umstrukturierung. Erst wurden alle Einheiten unter dem Dach der Deutschen Asset & Wealth Management gebündelt, dann wurde das Wealth Management wieder abgetrennt und in einen anderen Konzernbereich eingegliedert. Jeder der drei Chefs, den die Fondssparte seither hatte, wollte eigene Akzente setzen, was für dauerhafte Unruhe in der Belegschaft sorgt – und prominente Abgänge zur Folge hatte.

Der geplante Börsengang wird diese Unruhe nicht beseitigen, sondern verstärken. Das gilt nicht nur für die Zeit bis zur Erstnotiz, sondern auch darüber hinaus. Denn wenn die Sparte schon mal an der Börse gelistet ist, könnte sich die Deutsche Bank sehr schnell von weiteren Anteilen trennen. Solche ungewissen Aussichten sind Gift, wenn es darum geht, gute Mitarbeiter zu halten. Im "Wettbewerb um die besten Talente" hilft es jedenfalls nicht.