Gut zehn Monate tickt die Uhr der Anlageberatung in Banken und anderen regulierten Finanzinstituten schon im Takt der Mifid II. Nur in der Welt der Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV) war die Zeit stehengeblieben: Für Berater mit Erlaubnis gemäß Paragraf 34f Gewerbeordnung (GewO) gelten nach wie vor die Regeln, die schon vor Umsetzung der EU-Finanzmarktrichtlinie Anfang Januar 2018 in Kraft waren.

Nun hat das Bundeswirtschaftsministerium endlich einen Entwurf für die novellierte FinVermV vorgelegt (FONDS professionell ONLINE berichtete). Wird sie in der aktuellen Fassung umgesetzt, bleibt die Uhr im 34f-Universum weiterhin stehen – zumindest mit Blick auf einen wichtigen Aspekt: Während die von der Bafin beaufsichtigten Institute inzwischen jeden Euro Provision in die Qualitätsverbesserung stecken müssen, steht es den 34f-Vermittlern auch künftig frei, wie sie die vereinnahmten Zuwendungen verwenden. Sprich: Der 34f-Berater darf mit der Provision seinen Kühlschrank füllen, der Banker nicht. Es entsteht eine geteilte Welt der Anlageberatung. Aus Sicht des Endkunden lässt sich das nicht begründen.

Ein Lobbyerfolg für die DVAG
Für die Entscheidung des Wirtschaftsministeriums lassen sich natürlich plausible Gründe anführen: Eine Bank darf die Provisionseinnahmen aus der Anlageberatung auf dem Papier beispielsweise dafür verwenden, ihr Filialnetz zu unterhalten, während sich der Gewinn pro forma aus den Konto- oder Depotgebühren speist. Die Möglichkeit solcher Querverrechnungen macht Mifid II in der Praxis auch für Sparkassen oder Volksbanken erträglich. Vermittlern, die ausschließlich auf Provisionsbasis leben, steht diese Option nicht offen. Eine Verpflichtung, jeden Euro Provision für eine Verbesserung der Dienstleistung aufzuwenden, wäre für diese Berater also einem Gewinnverbot gleichgekommen, was verfassungsrechtliche Fragen aufwirft.

Viele freie Berater haben allerdings ohnehin schon begonnen, mit ihren Kunden Servicegebühren zu vereinbaren. Setzen sich solche Modelle durch, werden Provisionen schlicht überflüssig. In der Praxis könnten sich also auch die 34f-Vermittler mit streng ausgelegten Mifid-II-Vorgaben arrangieren – mit Ausnahme der Strukturvertriebe, die per Geschäftsmodell auf üppige Provisionen angewiesen sind. Daher riecht der Entwurf nach einem klaren Lobbyerfolg für Deutschlands größten Finanzvertrieb, die DVAG.

Zwei Regime in der Anlageberatung
Einen derart großen Unterschied in der Regulierung der Anlageberatung gab es übrigens schon einmal: Bevor im Jahr 2013 Paragraf 34f GewO eingeführt wurde, agierten die gewerblichen Vermittler in einer Welt der großen Freiheiten, die nicht einmal die Provisionsoffenlegung kannte, während sich die Banken immerhin schon an Mifid I halten mussten, die genau diese Transparenz fordert. Gelten in der Anlageberatung künftig dauerhaft wieder zwei Regime, bleibt die Uhr nicht nur stehen. Sie wird sogar ein Stück zurückgedreht.