Die T-Aktie, der Neue Markt und der Lehman-Crash haben Deutschlands Wertpapierkultur schwer zugesetzt. Doch langsam wagen sich die Bundesbürger wieder an Aktien und Fonds heran. Anders als früher geschieht das jedoch nicht aus Gier, weil der Nachbar beim Grillen plötzlich wieder von seinen erfolgreichen Börsenengagements erzählt, sondern aus Einsicht.

Den Deutschen ist bewusst, dass sie fürs Alter Kapital aufbauen müssen, und es ist ihnen auch klar, dass das mit Sparbuch und Lebensversicherung nicht mehr gelingt. Also beginnen sie regelmäßig mit Fonds zu sparen – und zwar auf breiter Front. Die Sparkassen schließen inzwischen jede Woche rund 10.000 Sparpläne auf Fonds der Deka ab. Sie eifern damit den Genossenschaftsbanken nach, deren zentraler Anbieter Union Investment schon seit Jahren für dieses Thema trommelt – mit zunehmendem Erfolg. Eine Umfrage zeigt, dass vier von fünf Deutschen schon einmal von einem Fondssparplan gehört haben, und für immerhin 23 Prozent der Befragten kommt er als Basisanlage in Frage.

Langfristig zahlt sich Fondssparen aus – für alle Seiten
Diese Chance sollten sich auch andere Banken und Finanzdienstleister nicht entgehen lassen. Zwar ist das Geschäft mit Fondssparplänen für die Berater mühsam und kleinteilig. Dirk Degenhardt, Leiter des Produkt- und Marktmanagements der Dekabank, bezeichnet es im Interview mit FONDS professionell treffend als "Fleißgeschäft". Langfristig zahlt es sich aber aus, und zwar für alle Seiten: Kunden, Berater und Fondsanbieter.

Die Sparer partizipieren endlich an den Chancen, die die Börse langfristig bietet. So lernen sie, dass Aktien doch kein Teufelszeug sind, und lassen sich womöglich auf größere Engagements ein – was auch für den Berater lukrativ ist. Und die Fondsgesellschaften freuen sich über stetige Zuflüsse, die nicht bei jeder Börsenkorrektur versiegen.

Kleinvieh macht auch Mist
Ein Beispiel: Union Investment hatte Ende 2016 fast 1,5 Millionen Sparpläne ausstehen, 26 Prozent mehr als ein Jahr zuvor (siehe auch die große Sparplan-Studie von FONDS professionell). Selbst wenn die Zahl der Sparpläne nur konstant bleibt, bedeutet das bei einer durchschnittlichen Rate von 165 Euro und monatlicher Ausführung, dass Union Investment allein aus diesen Verträgen 2,9 Milliarden Euro im Jahr zufließen. Kleinvieh macht auch Mist. Oder besser: Das Fleißgeschäft lohnt sich.