Die Diskussion wird seit Jahren leidenschaftlich geführt, doch derzeit gewinnt sie an Schärfe. Im Kern geht es um das Phänomen, dass es den wenigsten Managern vermögensverwaltender Mischfonds gelingt, ihren selbst gewählten oder von außen vorgegebenen Vergleichsindex zu schlagen. Die große Frage, die deshalb im Raum steht, ist folgende: Braucht es solche Mischfonds überhaupt? Wären Anleger mit einem Portfolio aus günstigen ETFs nicht besser bedient?

Mit Blick auf die jüngere Vergangenheit lässt sich diese Frage sehr leicht beantworten: Das ETF-Portfolio wäre in den meisten Fällen deutlich lukrativer gewesen. Für die Zukunft gilt das mit hoher Wahrscheinlichkeit jedoch nicht.

"Schwach, schwächer, Mischfonds"
Die Zahlen sprechen zunächst für sich. Wer sein Depot je zur Hälfte mit einem ETF auf Euro-Anleihen und einem Indexfonds auf globale Aktien bestückt und dieses Portfolio einmal jährlich rebalanciert, kam in den fünf Jahren bis zum Ende des ersten Quartals dieses Jahres auf eine Rendite von 9,3 Prozent per annum, zeigen Berechnungen von Morningstar. Portfolios der Kategorie "Mischfonds Euro ausgewogen global" warfen im Mittel nur 5,2 Prozent ab, bei flexiblen Mischfonds waren es sogar nur 4,4 Prozent. Dass solche Zahlen Schlagzeilen wie "Schwach, schwächer, Mischfonds" oder "Mischfonds-Malaise" provozieren, muss nicht verwundern.

Morningstar nennt zwei wesentliche Punkte für das schlechte Abschneiden der meisten Fonds: zum einen die im Vergleich zum ETF hohen Kosten, zum anderen Investmententscheidungen, die sich rückblickend als falsch entpuppten. So haben die meisten globalen Mischfonds, die von Europa aus verwaltet werden, den Kursaufschwung am US-Aktienmarkt nicht voll mitgenommen. Außerdem haben ihre Manager verstärkt auf Anleihen kurzer Restlaufzeit gesetzt, weshalb auch die Rally am Rentenmarkt zu einem guten Teil an ihnen vorbeiging.

Die Vorsicht hat sich bislang nicht ausgezahlt
Doch genau dieser Punkt deutet an, weshalb es fahrlässig wäre, die Ergebnisse der Vergangenheit in die Zukunft fortzuschreiben. Solide Anleihen langer Restlaufzeit haben bekanntlich kaum Potenzial für weitere Kursgewinne. Anleger müssen froh sein, wenn sie mit entsprechenden ETFs eines Tages keine hohen Verluste einfahren. Erschwerend kommt hinzu, dass die Duration der großen Indizes in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Wer einen ETF auf ein solches Barometer kauft, setzt sein Kapital heute einem deutlich höheren Zinsänderungsrisiko aus als vor einigen Jahren.

Die meisten Vermögensverwalter sind sich solcher Risiken bewusst. Sie steuern ihre Fonds daher schon seit Jahren lieber einen Hauch zu vorsichtig, als jedes Prozent Rendite mitzunehmen. Diese Vorsicht hat sich in den vergangenen Jahren nicht ausgezahlt. Doch das kann sich bekanntlich schnell ändern. Eigentlich gehört es gar nicht zur Stellenbeschreibung eines guten Vermögensverwalters, in der Hausse den Index zu schlagen. Seine Aufgabe ist es vielmehr, die Verluste zu begrenzen, wenn es kracht. Die Rally am Aktienmarkt läuft inzwischen seit mehr als acht Jahren – das ist schwieriger Zeitpunkt, die Qualität eines Vermögensverwalters zu bestimmen.

ETF-Portfolio Marke Eigenbau: Am falschen Ende gespart
Selbstverständlich lassen sich auch mit ETFs robuste Portfolios bauen. Anleger tun in aller Regel aber gut daran, das einem Profi zu überlassen, statt sich selbst auszuprobieren. Die Gefahr des Mischfonds-Bashings besteht darin, dass sich unerfahrene Sparer mit Do-it-yourself-Anleitungen aus dem Netz ihr eigenes ETF-Depot zimmern, um die Kosten eines professionellen Asset Managements zu vermeiden. Doch damit sparen sie definitiv am falschen Ende.


Eine ausführliche Analyse der Morningstar-Berechnungen lesen Sie in der aktuellen Heftausgabe 2/2017 von FONDS professionell. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin abrufen.