Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? Mit Blick auf die Einstufung von Mischfonds gilt dieser Spruch leider nicht. Wer mit Anlageberatern, Vermögensverwaltern oder Portfoliomanagern spricht, hört schon seit einiger Zeit die gleiche Botschaft: Anleihen, die früher als sicher gelten durften, bergen inzwischen mehr Risiken als Chancen. Die jahrzehntelange Rentenrally nähert sich dem Ende, und vielleicht hat sie ja bereits begonnen, die vielbeschworene Zinswende.

30 Jahre lang konnte nichts falsch machen, wer sich langlaufende Staatsanleihen ins Depot legte. Doch diese Zeiten sind bekanntlich vorbei. Schon der zarte Zinsanstieg der vergangenen Monate sorgte bei diesen Papieren für herbe Kursverluste.

Viele Anleihen = konservativ?
Mangelnde Erkenntnis darf man der Asset-Management-Branche daher nicht vorwerfen. Viele gehen auch beherzt an die Umsetzung: Sie meiden schon seit Jahren Anleihen langer Restlaufzeit, um das Risiko steigender Zinsen zu begrenzen. Das ist gut und richtig so, auch wenn diese Vorsicht in den vergangenen Jahren einiges an Performance gekostet hat.

An einer anderen Front aber macht die Branche weiter wie bisher: Geht es um die Einordnung von Portfolios in Kategorien wie "konservativ", "ausgewogen" oder "offensiv", gibt reflexartig die Aktienquote den Ausschlag – oder im Umkehrschluss eben die Rentenquote. So wird ein Mischfonds mit 70 Prozent Anleihen fast immer ins "Konservativ"-Töpfchen einsortiert – egal ob von einer Ratingagentur, einer Bank oder einem Finanzvertrieb.

Das Rückschlagpotenzial übersteigt die Risikotragfähigkeit
Was früher richtig war, wäre heute fahrlässig. Wer ein Portfolio, das aus 30 Prozent Dax und 70 Prozent zehnjährigen Bundesanleihen besteht, immer noch als "konservativ" bezeichnet, sollte seine Zulassung verlieren, denn das Rückschlagpotenzial eines solchen Fonds würde die Risikotragfähigkeit der allermeisten Privatanleger weit übersteigen.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Es ist nach wie vor möglich, einen Mischfonds mit 30 Prozent Aktien und 70 Prozent Renten so zu steuern, dass er zu Recht als konservativ gelten darf. Es ist aber falsch, einen solchen Fonds per se als konservativ zu kategorisieren.

Besonders relevant ist dieser Punkt, weil konservative Mischfonds das ideale Produkt für Millionen Privatanleger sind, um der Zinsflaute zu entkommen. Sie ebnen den Weg vom Sparbuch an die Börsen. Setzen Sparer jedoch auf Fonds, die nur vermeintlich vorsichtig an den Kapitalmärkten agieren, ist die Enttäuschung programmiert.

Chance für Anlageberater
Eine einfache Lösung für dieses Dilemma gibt es leider nicht. Ein möglicher Weg wäre es, die Fonds nach der Höhe des Verlustes einzustufen, den sie ihren Anlegern zumuten würden, bevor sie die Reißleine ziehen. So ließe sich sicherstellen, dass das Profil des Fonds der Verlusttragfähigkeit des Anlegers entspricht. Allerdings gibt es nur wenige Manager, die ihre Portfolios explizit mit Blick auf diesen maximalen Verlust steuern und diese Größe auch offen kommunizieren. Außerdem darf eine solche Kennzahl nicht mit einer harten Garantie verwechselt werden.

Für Anlageberater bietet das Problem der Mischfonds-Kategorisierung auch eine Chance: Wenn ein schlichtes Ranking einer Ratingagentur in die Irre führt, gewinnt ihre Dienstleistung, für ihre Kunden wirklich konservative Fonds herauszufiltern, deutlich an Wert.