Als die EU-Kommission Anfang März ihren "Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzwesen" vorstellte, wurde schnell deutlich, dass Brüssel die Finanzbranche für die eigene Agenda einspannen möchte. "Der Wandel hin zu einer umweltfreundlicheren und nachhaltigeren Wirtschaft ist gut für die Schaffung von Arbeitsplätzen, für die Menschen und für unseren Planeten. Heute stellen wir sicher, dass das Finanzsystem diesem Ziel dient", sagte Vizepräsident Frans Timmermans.

Einige Vorschläge der Kommission sind durchaus sinnvoll, zum Beispiel die Schaffung eines einheitlichen Klassifikationssystems. Dann wären endlich die Zeiten vorbei, in denen unter dem wachsweichen Begriff der Nachhaltigkeit jeder etwas anderes versteht. Auch die Idee eines "EU-Kennzeichens für grüne Finanzprodukte" hat Charme. So hilft beispielsweise das EU-Bio-Siegel Millionen Menschen dabei, sich beim Lebensmittelkauf zu orientieren. Warum sollte das nicht auch bei der Geldanlage funktionieren?

Gefährliche Vorschläge
Doch dabei möchte es Brüssel nicht belassen. Die EU-Kommission überlegt beispielsweise, Vermögensverwalter und institutionelle Investoren dazu zu verpflichten, bei ihren Anlagen Nachhaltigkeitskriterien zu berücksichtigen. Das wäre ein Fehler. Die Entscheidung, wie Kapital effizient zu allokieren ist, sollte in einer Marktwirtschaft nicht von Beamten diktiert werden.

Gefährlich ist ein weiterer Vorschlag: Die Kommission erwägt, dass Banken für Kredite, die nachhaltigen Investitionen dienen, weniger Kapital vorhalten müssen. Das kann zu gigantischen Fehlallokationen führen und das Bankensystem destabilisieren – in einer Zeit, in der die Branche immer noch die Scherben der Finanzkrise beseitigt. Zu welchen Fehlanreizen eine gut gemeinte Idee führen kann, illustrieren etliche Steuersparmodelle: Sie enden mit hoher Wahrscheinlichkeit im finanziellen Desaster.

Die Anleger auf das Thema stoßen
Wer die ökologische und ethische Geldanlage fördern möchte, kann subtiler vorgehen. Beispielsweise könnte Brüssel die Finanzberater dazu verpflichten, ihre Kunden zu fragen, ob sie ihr Geld nachhaltig anlegen möchten. Die Entscheidung bleibt beim Anleger – aber er wird auf das Thema Nachhaltigkeit gestoßen, ohne selbst explizit danach fragen zu müssen. Wenn der Gesetzgeber im Gegenzug die teils irrsinnigen Auflagen zur Risiko- und Kostenaufklärung unter Mifid II lockert, hätte er sogar die Anlageberater auf seiner Seite.


Die nachhaltige Geldanlage wird langsam zur Selbstverständlichkeit, wie in der aktuellen Ausgabe von FONDS professionell 1/2018 ab Seite 100 nachzulesen ist. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin abrufen.