Was den Austausch von Daten angeht, spielt jeder in der Fondsbranche seine eigene Melodie. Während die Welt über Cloud-Server, Industrie 4.0 und das Internet der Dinge diskutiert, schicken Asset Manager Kernkennziffern ihrer Produkte per E-Mail an Datenanbieter und Abnehmer wie Banken, Plattformen und Pools – in Excel-Dokumenten. Jeder Abnehmer hat obendrein seine eigenen Vorgaben zur Bezeichnung und Sortierung der Daten, sodass die Fondsgesellschaften ein und dieselben Angaben in vielen unterschiedlichen Versionen herausschicken müssen.

Klar ist, dass sich dabei Fehler einschleichen. Datenanbieter müssen diese mühsam von Hand korrigieren. Mancher Investor beendet womöglich sogar die Zusammenarbeit, wenn eine Gesellschaft die Angaben nicht korrekt in der gewünschten Form liefern kann. Dieser Zustand mutet wie die digitale Steinzeit an. Dennoch hat sich die Branche bis heute nicht auf einen gemeinsamen Standard einigen können. Die Scheu vor Investitionen und den verbundenen Kosten ist groß, der Leidensdruck offenbar nicht groß genug – auch weil den Kunden die Kakophonie im Hintergrund nur selten zu Ohren kommt.

Kunden verlassen das Konzert
Ideen für einen einheitlichen Takt gäbe es. Mit Funds-XML haben die Branchenverbände mehrerer europäischer Länder einen gemeinsamen Standard für die Datenweitergabe entwickelt. Die Initiative startete 2001, großflächig durchgesetzt hat sich das Format allenfalls in Österreich. Mit Openfunds startete 2014 eine weitere Initiative. Hier nehmen mit den Banken UBS, Credit Suisse und Julius Bär nicht nur Asset Manager, sondern auch wichtige Abnehmer von Fonds teil. Ob der Standard über die Schweiz hinaus Anhänger gewinnen kann, muss sich noch zeigen.

Egal, auf welche der Standards sich die Branche am Ende verständigt: Eine Einigung ist dringend geboten. Denn je weiter die Digitalisierung voranschreitet und immer entscheidender für den geschäftlichen Erfolg wird, desto rascher offenbart sich die veraltete Infrastruktur im Hintergrund. Sie tritt als Manko offen zutage, wenn sie die heutigen Erfordernisse nach raschen, transparenten und korrekten Informationen nicht erfüllt. Wenn weiterhin jeder hinter der Bühne seine eigene Melodie spielt, werden auch die Kunden im Zuschauersaal das Durcheinander hören – und das Konzert verlassen.


Einen ausführlichen Beitrag über die Tatsache, dass Fondsdaten auch heute noch mühsam von Hand aufbereitet werden müssen, lesen Sie in der aktuellen Heftausgabe 2/2017 von FONDS professionell, die den Abonnenten in diesen Tagen zugestellt wird. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin abrufen.