Dass ein gesunder Geist häufiger in einem gesunden Körper anzutreffen ist als anderswo, weiß man seit der Antike. Dass dieser Effekt auch bei der Kapitalanlage eine Rolle spielen kann, ist hingegen neu. Eine vom Center for Financial Research an der Universität zu Köln veröffentlichte Studie liefert aufschlussreiche Erkenntnisse über die Zusammenhänge zwischen der körperlichen Fitness von Unternehmenslenkern und dem Erfolg des von ihnen geleiteten Unternehmens.

Die Untersuchung stammt von Peter Limbach vom Department of Banking and Finance am Karlsruhe Institute of Technology (KIT) und Florian Sonnenburg vom Department of Finance an der Uni Köln. Die Autoren werteten dabei über zehn Jahre selbst erhobene Daten über Unternehmenslenker der S&P-1500-Unternehmen aus. Dabei haben die Wissenschaftler die Fitness eines CEOs auf eine sehr einfache, aber unmittelbar einleuchtende Weise definiert: Ein CEO gilt demnach dann als fit und ausdauernd, wenn er im betrachteten Jahr mindestens einen Marathon erfolgreich absolviert hat.

Dass körperliche Fitness und Ertüchtigung nicht nur stressreduzierend wirkt, sondern auch gleichzeitig kognitive Fähigkeiten fördert und somit die Performance im Job steigert, ist vom Grundsatz her keine wirkliche Neuigkeit und durch eine ganze Reihe von Studien untersucht. Sonnenburg und Limbach haben diese Erkenntnis aber jetzt erstmals mit konkreten Zahlen unterlegt und liefern dazu beeindruckende Zahlen.

So ist der Wert eines Unternehmens, das von einem "Marathon-CEO" geleitet wird, im Durchschnitt um fünf Prozent höher als der Wert eines vergleichbaren Unternehmens ohne "Marathon-CEO". Der Unterschied steigt sogar auf bis zu zehn Prozent an, wenn die Arbeitsbelastung und das Stresslevel des CEOs besonders hoch sind. Auch bei Unternehmensübernahmen und -fusionen generieren "Marathon-CEOs" laut den Studienergebnissen einen beträchtlichen Mehrwert.

All das lässt nur einen Schluss zu: Körperliche Fitness zahlt sich in messbarem Erfolg aus - also nicht nur für den Manager selbst, sondern auch für das von ihm geführte Unternehmen und dessen Aktionäre. Stellt sich die Frage, ob solche Ergebnisse sich eventuell auf die Fondsbranche übertragen lassen? In gewisser Weise wohl schon, denn auch wenn die Studie auf CEOs der S&P-1500-Unternehmen bezieht: Die Belastungen, denen ein CEO in seinem Arbeitsalltag ausgesetzt ist, dürften denen eines Fondsmanagers ähneln.

Von daher ist es wahrscheinlich nicht falsch anzunehmen, dass auch ein Fondsmanager, der sich regelmäßig und intensiv sportlich betätigt, mit hoher Wahrscheinlichkeit bessere Ergebnisse liefert, als unsportliche Konkurrenten. Einen belastbaren Beleg gibt es dafür allerdings bisher eben nicht. Aber selbst wenn es den gäbe, wäre es wohl kaum ratsam, seine Fondsauswahl an der Fitness des Fondsmanagers zu orientieren. Denn so sinnvoll das bei einem Investment in die einzelne Aktie eines der von Sonnenburg und Limbach untersuchten CEOs wohl zu sein scheint: Im Fondsbereich würde man so manchen Ausnahmemanager wie etwa Warren Buffet, der nicht den Ruf genießt, intensiv Sport zu treiben, verpassen.

Es wäre aber einmal eine originelle Ergänzung des KIDs (Kundeninformationsdokument), fände man darin auch Informationen über das Fitness-Level des verantwortlichen Fondsmanagers. Übrigens: Die Studie mit dem Titel "CEO Fitness and Firm Value" gibt es auf der Homepage des Center for Financial Research.