Die Schiffsfinanzierung in Deutschland befindet sich im Wandel, und die Commerzbank steigt bekanntlich vollständig aus diesem Geschäft aus. Hunderte Schiffsgesellschaften haben das in den vergangenen Jahren zu spüren bekommen.

Kürzlich haben die Anleger des geschlossenen Fonds "Schiffsportfolio III" in diesem Zusammenhang von Lloyd Fonds Post bekommen. Sie sollen einem Schiff ein Gesellschafterdarlehen zur Verfügung stellen, damit der Kredit bei der Commerzbank vorzeitig abgelöst werden kann. Zu diesem Vorhaben läuft bis 20. August eine Abstimmung unter den Anlegern.

Bank will vorzeitig aussteigen
Betroffen ist das Containerschiff MS "Don Pascuale", für das bereits im Jahr 2017 gemeinsam mit der Commerzbank ein Fortführungskonzept beschlossen und in die Wege geleitet wurde. Dabei wurde auf Vorrat auch ein unlimitierter Verkaufsbeschluss für das Schiff gefasst. Nun will die Bank "völlig überraschend" bis Ende dieses Jahres aus der bestehenden Finanzierung aussteigen. Wenn der Fonds das Darlehen nicht ablöst, könnte es beispielsweise an eine Private-Equity-Gesellschaft verkauft werden, berichtet Lloyd Fonds an die Anleger.

Das Management will das Heft selbst in die Hand nehmen und mithilfe der Gesellschafter den Kredit ablösen. Lloyd Fonds geht davon aus, dass die Commerzbank bereit ist, auf bis zu 20 Prozent der Darlehenssumme zu verzichten. "Die Anleger würden dadurch eine indirekte Vermögensmehrung erzielen", heißt es in dem Schreiben an die Anleger. Nun sollen die Investoren zwei Millionen Euro als Darlehen einschießen, damit die Schiffsgesellschaft nach der Rückführung des Darlehens liquide bleibt.

Anleger sollen zwei Millionen einzahlen
Der Plan sieht wie folgt aus: Die Schiffsgesellschaft nimmt bei einer anderen Bank einen neuen Kredit über 15 Millionen Dollar auf. Dafür liegen laut Lloyd Fonds drei konkrete Angebote vor. Mit diesem Kapital und der bestehenden Liquiditätsreserve wird das Commerzbank-Darlehen getilgt. Die Anleger geben ihrem Schiff ein Darlehen in Höhe von zwei Millionen Euro. Es soll mit zehn Prozent pro Jahr verzinst und bis Ende 2023 zurückgezahlt werden. Zins und Tilgung sind nachrangig zum neuen Bankkredit, aber vorrangig zum Kommanditkapital.

Das Containerschiff (Baujahr 2007, Kapazität 8.533 TEU) ist laut Lloyd Fonds 27,5 Millionen Dollar wert. Somit übersteigt der Schiffswert die Verbindlichkeiten. Der Frachter ist Mitglied eines Schiffspools und zurzeit an die chinesische Reederei Cosco verchartert. Nach Angaben des Emissionshauses kann das Schiff mit der Umfinanzierung bis Ende 2025 weiter betrieben und damit ein besseres Ergebnis für die Anleger erzielt werden.

Würde man das Schiff jetzt kurzfristig verkaufen, läge der Kapitalrückfluss nur bei bis zu 35 Prozent bezogen auf das ursprünglich eingesetzte Eigenkapital. Für den Fall des Verkaufs im Jahr 2025 rechnet Lloyd Fonds eine Gesamtauszahlung von knapp 64 Prozent vor. Das Schiffsportfolio bestand ursprünglich aus drei Schiffen, davon wurde eines 2013 verkauft. Zurzeit befindet sich noch das MS "Las Vegas" im Portfolio. (ae)