Die Krise in der Schifffahrt wütet heftig und dauert schon sehr lange. Mittendrin stecken die Banken, die Hunderte Schiffe als werthaltiges Vehikel der Globalisierung und des Welthandels freimütig und großzügig finanzierten. Nachdem die Finanzkrise in der maritimen Wirtschaft angekommen war und für lange Zeit blieb, wurden die Bankpartner unruhig. Das gilt auch im aktuellen Fall, bei dem ein Containerschiff ohne Not fast in die Insolvenz getrieben wurde.

Es geht konkret um den Containerfrachter MS Lloyd Parsifal, der eine Beteiligung des gleichnamigen Fonds des Initiators Lloyd Fonds ist. Das 2006 von der Werft gelieferte Schiff verfügt über eine Stellplatzkapazität von 8.204 Standardcontainern (TEU). Der Fonds hat es im Februar 2007 übernommen und an die französische Linienreederei CMA CGM übergeben. Der Chartervertrag lief neun Jahre. Mit der Charterrate von 35.500 US-Dollar pro Tag konnte der Fonds problemlos alle finanzielle Verpflichtungen erfüllen, Sondertilgungen leisten und Liquiditätsreserven ansparen – zulasten geplanter Auszahlungen an die Anleger.

Schiff kann Zins und Tilgung vorübergehend nicht leisten
Nach dem Auslaufen des ersten Chartervertrags hat die Schiffsgesellschaft im Jahr 2016 wegen der schlechten Marktlage nur sehr viel geringere Einnahmen in Höhe von 7.360 Dollar pro Tag erzielt. Damit kann der Kapitaldienst laut Geschäftsführung nicht mehr aus eigener Kraft geleistet werden. Der Fonds schuldet den finanzierenden Banken Nord LB und Deka zurzeit 26,6 Millionen Dollar und damit weniger als in der langfristigen Prognoserechnung bei Fondsauflage vorgesehen war. 2007 hatte sich die Schiffsgesellschaft mit 70,7 Millionen Dollar Kredit eingedeckt.

Im Oktober 2016 und Januar 2017 haben die Banken den Kapitaldienst gestundet. Ein weiteres Stillhalten und die Erarbeitung und Umsetzung eines Fortführungskonzepts mit Beteiligung der Anleger ist seitens der Banken jedoch nicht erwünscht. Sie wollen einen raschen Verkauf des Schiffs und verleihen dieser Forderung Nachdruck, indem sie mit der Fälligstellung des Darlehens drohen. Das dürfen sie zwar, weil die Fondsgesellschaft gegen Klauseln im Kreditvertrag verstößt. Allerdings wäre die Fondsgesellschaft bei einer Fälligstellung sofort insolvent. Das geht aus den Fondsunterlagen hervor, die FONDS professionell ONLINE vorliegen.

Investoren lehnen Verkauf trotz Insolvenzdrohung ab
Lloyd Fonds lud Ende März die Anleger zu einer Gesellschafterversammlung. Die Investoren sollten einen unlimitierten Verkaufsbeschluss fassen und gleichzeitig erklären, ob und wie viel frisches Kapital sie zur Fortführung des Fonds bereitstellen würden. Die Krux dabei: Die Banken haben zwar das Recht zur Kündigung des Darlehens. Im März war das Schiff aber schätzungsweise nur rund 15 Millionen Dollar wert. Demzufolge hätten die Banken bei einem Verkauf einen Verlust erlitten. Allerdings bewegte sich der Containerschiffsmarkt laut Lloyd Fonds im ersten Quartal nach oben, sodass die Aussicht bestand, mit etwas Abwarten ein besseres Ergebnis zu erzielen.

Trotzdem ist die Zusammenarbeit mit den Banken laut Lloyd Fonds und Fondsbeirat schwierig. "Es ist als Bank eine Sache, ein risikoreiches Darlehensengagement nicht weiter begleiten zu wollen. Es ist eine ganz andere Sache, Gespräche erst gar nicht ernsthaft und nachhaltig aufzunehmen, obwohl bis 2016 über viele Jahre hinweg die Zins- und Tilgungsleistungen vertragsgemäß erbracht wurden und man sich der schwierigen Situation des Gegenübers bewusst sein muss", heißt es einer Stellungnahme des Beirats.

Anlegern zögern – Schiffspreis steigt
Die Investoren haben dem Verkauf des Schiffes nicht mit der erforderlichen Dreiviertelmehrheit zugestimmt. Außerdem haben sie selbst die Situation dadurch verschärft, indem sie "erheblich weniger" Kapital als eine Millionen Euro zugesagt haben. Ein Fortführungskonzept ist damit nicht möglich. Deshalb drängen die Banken erst recht weiter auf einen Verkauf des Schiffs. Immerhin haben sie die Rückzahlung der offenen Zins- und Tilgungsleistungen bis Anfang Mai aufgeschoben. Inzwischen hat die Zeit für die Schiffsgesellschaft gearbeitet, wie vom Vertragsreeder, von Lloyd Fonds und vom Beirat vermutet worden war. Die Charterraten und Preise für die 8.000-TEU-Containerschiffe sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen.

Deshalb hat Lloyd Fonds unter veränderten Vorzeichen Ende April die Anleger mit einer neuen Abstimmung über den Schiffsverkauf konfrontiert. Diesmal liegt ein „konkretes Angebot einer skandinavischen Reederei“ vor, die 26,25 Millionen Dollar für die Lloyd Parsifal geboten habe. "Gemäß Kalkulation des Vertragsreeders dürfte ab diesem Bruttoerlös nach Rückführung aller Verbindlichkeiten und Kosten noch eine geringe Auszahlung an die Anleger möglich sein", erklärte Lloyd Fonds. Nun sollen die Fondsgesellschafter bis 26. Mai einen Verkauf des Schiffes zu einem Mindestpreis von 26,25 Millionen Dollar beschließen.

Fondsgesellschaft rettet Banken
Mit diesem Ergebnis wäre zwar trotzdem fast das gesamte Eigenkapital des 2006 aufgelegten Fonds verloren. Dabei geht es um zirka 28 Millionen Euro. Aber immerhin wäre eine Insolvenz des Schiffs verhindert worden und die Anleger haben jedenfalls theoretisch die Chance, noch ein paar Euro aus ihrem Fonds zurück zu bekommen. Wenn der Verkaufspreis durch Verhandlungen steigt, könnte am Ende noch eine Auszahlung von ein bis 3,5 Prozent bezogen auf das Kommanditkapital herauskommen. Bislang hat der Fonds nur im Jahr 2008 insgesamt fünf Prozent an die Anleger ausgeschüttet.

Offen bleibt im Falle des Verkaufs, ob das Ergebnis für die Anleger durch eine Fortführung des Fonds besser ausfallen würde. Sicher scheint dagegen momentan zu sein, dass die Anleger, ihr Beirat und Lloyd Fonds den Banken erhebliche Verluste, die sie bei einem früheren Verkauf erlitten hätten, ersparen. (ae)