Der Carmignac Patrimoine gehört mit 22 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen zu den größten und bekanntesten Mischfonds. Im vergangenen Jahr schaffte er allerdings gerade einmal 0,1 Prozent Plus – und schnitt damit deutlich schlechter ab als andere Multi-Asset-Produkte, die 2017 im Schnitt rund fünf Prozent zulegten.

Die Unzufriedenheit einiger Investoren schlägt sich auch in der jüngsten Morningstar-Statistik nieder: In einem insgesamt exzellenten Absatzumfeld zogen Geldgeber netto 2,43 Milliarden Euro aus dem einstigen Kassenschlager ab – ein Minus von knapp zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahresende. "Der Flaggschifffonds des französischen Vermögensverwalters Carmignac Gestion erlebte ein weiteres schwaches Absatzjahr, und im vierten Quartal nahm das Tempo der Abflüsse aufgrund der schwachen Performance zu", ergänzt Morningstar-Analyst Ali Masarwah.

Im Gespräch mit dem "Handelsblatt" bemüht sich Carmignac-Mann Didier Saint-Georges um Erklärungen: "Wir haben die Preisverzerrungen an den Märkten durch die Liquiditätsspritzen der Notenbanken bei weitem unterschätzt." Sämtliche Anlageklassen seien entgegen jeglicher Vernunft gestiegen, so Saint-Georges. Man habe in diesem irrationalen Marktumfeld zu rational gehandelt, das Fondsportfolio zu defensiv ausgerichtet. "Einige Wettbewerber spielten das Thema Liquidität viel aggressiver und erzielten damit höhere Erträge." Einzelne Mischfondsmanager schafften im vergangenen Jahr bis zu 30 Prozent Plus. Auch die Devisenmärkte haben dem Patrimoine die Bilanz verhagelt. "Wir haben die extreme Euro-Aufwertung nicht vorausgesehen", so Saint-Georges. "Das Jahr 2017 war frustrierend."

Kostspielige Absicherungsstrategie moniert
Nicht nur vonseiten zahlreicher Anleger, auch bei diversen Fondsbeobachtern gerät das Milliardenportfolio unter Beschuss. Morningstar-Fachfrau Mara Dobrescu beispielsweise hat interne Umbesetzungen bei Carmiganc als eine Problemquelle identifiziert: "Die schlechteren Aktienergebnisse liegen unter anderem an Personalwechseln im Aktienteam“, erläutert sie. 

Zudem moniert die Analystin die zuletzt wenig wirksamen Absicherungsstrategien im Fonds. Derartige Fallschirme seinen als Risikopuffer bei schlechten Börsen ein wesentliches Element des Fondskonzepts, würden bei fortwährend aufwärtsstrebenden Märkten aber zur Performancelast. "Der Fonds ist im Kapitalerhaltungsmodus, deshalb gehen die Kursgewinne an ihm vorbei“, bestätigt Nisha Long vom Analysehaus Citywire in London. 

Sturm in Sicht
Im laufenden Jahr soll das Carmignac-Flaggschiff an frühere Erfolge anknüpfen, stellt Saint-Georges in Aussicht. Er geht davon aus, dass es an den Börsen bald unruhiger wird. Das zweite Quartal könnte zwar noch gut laufen, dank der US-Steuerreform und der starken Konjunktur im Euro-Raum. "Doch im zweiten Halbjahr werden Anleger enttäuscht sein, weil die Wirtschaftsdaten in den USA und in China an Fahrt verlieren, der deflationäre Druck anhält", so der Stratege. Eine Stimmungswende sei programmiert. Und die Carmignac-Fondsmanager wären dann endlich wieder richtig positioniert. (fp/ps)