Crowdinvestments zählen zu den Aufsteigern des auslaufenden Jahres. Einige Plattformen haben sich so gut positioniert, dass sie einen regen Absatz ihrer Projekte verzeichnen. Das gilt vor allem für Immobilienbeteiligungen, von denen viele binnen kurzer Zeit vollständig platziert sind. Bei zahlreichen Projekten haben die Anleger ihr eingesetzes Kapital zurück bekommen und die versprochenen Zinsen erhalten. Dennoch steht die Crowdinvesting-Branche vor großen Herausforderungen, die sie meistern muss, wenn sie eines Tages zu den etablierten Playern auf dem Kapitalmarkt zählen möchte.

Derzeit hat die junge Szene noch einen großen Wettbewerbsvorteil: Sie genießt eine Art "Welpenschutz" durch die Politik. Doch das kann sich schnell ändern: Der Sachverständigenrat für Verbraucherfragen, der im Jus­tizmi­­nis­terium angesiedelt ist, fordert bereits ein Ende der Soft-Regulierung von Schwarmfinanzierungen und die Einführung genauso strenger Regeln, wie sie für die ande­ren Finanzinstrumente gelten.

"Wenn wir nicht lernen, greift der Gesetzgeber ein"
Der Branche gefallen solche Gedankenspiele erwartungsgemäß gar nicht, schließlich trage man ja auch dazu bei, dass junge, innovative Unternehmer ihre Ideen überhaupt umsetzen können. Im ­Interview mit FONDS professionell erklären Uli Fricke und Jamal El Mallouki, die auch treibende Kräfte im Crowdfunding-Verband sind, dass eine strengere Regulierung nicht notwendig sei. El Mallouki weiß aber auch: "Unsere Chance ist, dass wir von dem lernen, was andere Branchen in den vergangenen Jahren erlebt und erlitten haben. Wenn wir das nicht wahrnehmen, greift der Gesetzgeber ein.“

Diesbezüglich muss die Branche noch einiges tun, weil unter anderem die Informationsdichte und die Qualität der Informationen auf den Plattformen bislang sehr unterschiedlich sind, das Reporting an die Anleger in den meisten Fällen unprofessionell ist und Kommunikation und Transparenz insgesamt nicht zufriedenstellend sind – insbesondere, wenn es bei finanzierten Projekten nicht so rund oder gar nicht gut läuft.
 
Vertrieb braucht breitere Vertrauensbasis
Die führenden Köpfe in der Branche wissen um die Probleme, und deshalb bekennt Venture Capital-Profi Uli Fricke im Gespräch mit FONDS professionell: "Es ist in dieser jungen Branche noch eine Lernkurve notwendig. Und wir können das große Marktpotenzial nur ausschöpfen, wenn nachhaltig gearbeitet wird. Das bedeutet: Mindestqualitätsrichtlinien für Transparenz, Kommunikation, Interaktion zwischen den Plattformen, Unternehmen und Investoren müssen geschaffen und eingehalten werden."
 
Die Umsetzung der versprochenen Verbesserungen werden notwendig sein, wenn der klassische Finanzvertrieb und das onlinebasierte Corwdfunding zusammenwachsen sollen. Die Finanzdienstleister sind an dem Thema interessiert, aber vielfach noch skeptisch und zurückhaltend. Die Crowdinvesting-Szene muss auch ihr Vertrauen erst gewinnen, die Plattformen sind für die Zusammenarbeit mit den Offline-Vertrieb bereit, beteuern Fricke und El Mallouki. (ae)


Das vollständige Interview über die Entwicklung der Crowdinvesting-Branche und die Verknüpfung von Online- und Offlne-Geschäft lesen Sie in der aktuellen FONDS professionell-Heftausgabe 4/2016, die soeben erschienen ist. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder finden den Beitrag auch hier im E-Magazin.