Die Europäische Zentralbank (EZB) launcht am 30. November ihr "Target Instant Payment Settlement", kurz Tips. Kunden von Banken oder Zahlungsdienstleistern, die an das System andocken, können Geld rund um die Uhr in Echtzeit zu günstigen Konditionen in jedes Land überweisen – ein Prozess, der derzeit einen ganzen Tag dauern kann, wie es bei der EZB heißt.

Mit dem System sollen 99 Prozent der Zahlungen in weniger als fünf Sekunden abgewickelt sein., egal, ob es um Privat- oder Geschäftsbeziehungen geht. Es gibt laut Angaben auf der EZB-Homepage kein Limit beim Transaktionsumfang. Bezahler und Empfänger erhalten sofort eine Bestätigung und können das Geld in der Sekunde einsetzen.

Konkurrenz
Zu Beginn werden nur Zahlungen in Euro abgewickelt, bei Bedarf könnten auch andere Währungstransfers unterstützt werden. Tips sei eine Antwort auf den steigenden Bedarf an Sofortbezahldiensten (Instant Payment). Der neue Service könnte traditionellen Zahlungsdienstleistern – etwa Kartenanbieter wie Visa oder Mastercard – genau so Konkurrenz machen wie modernen Zahlungsdienstleistern (Paypal, Klarna, oder Google Pay und Apple Pay).

Es bestehen zwar bereits andere Sofort-Initiativen: So gibt es die RT1-Lösung der europäischen Bankenaufsicht EBA. Und viele Staaten haben nationale Sofortzahl-Lösungen. Diese haben sich laut EZB aber einerseits oft nicht richtig etabliert und andererseits sind sie der EZB auch ein Dorn im Auge. Sie sieht die Gefahr, dass sich dadurch nationale Fragmentierungen in den europaweiten Zahlungsverkehr einschleichen. Tips stelle hingegen sicher, dass jeder Kontoinhaber in Europa erreicht werden kann. Es sind derzeit allerdings nur acht Banken dabei und es bleibt daher abzuwarten, wie sich dieses System etabliert.

Überweisung direkt in Zentralbankgeld abgerechnet
Einer der Unterschiede zu existierenden Lösungen sei, dass bei Tips das Geld sofort in Zentralbankgeld überwiesen wird, heißt es bei der EZB. Tips soll laut den Angaben rein kostendeckend und nicht profitorientiert arbeiten. Das Eurosystem will dieses Service um 0,20 Eurocent (0,002 Euro) per Transaktion anbieten. Die teilnehmenden Dienstleister müssen keine Eintritts- oder Kontoführungsgebühren zahlen, sie können weiters selbst festlegen, wie viel sie ihren Kunden für das Service verrechnen. Die Zentralbank geht davon aus, dass die Kosten für Transaktionen unter heute übliche Niveas sinken. Bei Kreditkartenzahlungen sind zum Beispiel bis zu 0,3 Prozent des Einkaufswerts üblich. (eml)