Privatanleger und Fondshäuser nehmen von Garantiefonds derzeit Abstand. Der Grund dafür ist das niedrige Zinsniveau. Es sorgt dafür, dass immer größere Teile des Anlagekapitals in sicherere Anleihen fließen müssen, weil anders die garantierten Rückzahlungssummen nicht mehr erwirtschaftet werden können. So bleibt den Fondsmanagern immer weniger Geld, um am Kapitalmarkt Rendite zu erzielen. Wertgesicherte Fonds, die Rückzahlungsbeträge versprechen, sich für die Auszahlung rechtlich jedoch nicht verbürgen, bieten dieser Situation Chancen. Marcus Russ, Senior Fund Manager bei Veritas Investment, erklärt am Besipiel des Veri ETF-Allocation Defensive wie es funktioniert kann.

Herr Russ, in Zeiten, da die Zinsen in Bodennähe verharren, verabschieden sich viele Kapitalverwaltungsgesellschaften von Garantiefonds. Können wertgesicherte Fonds eine gute Variante sein?

Marcus Russ: Seit einigen Jahren zeichnet sich bereits ab, dass Garantiefonds ein Auslaufmodell sind. 2013 wurden immerhin noch 25 neue Produkte aufgelegt, ein Jahr später waren es nur noch elf. 2016 kamen gerade einmal fünf hinzu. Zudem liquidieren große Fondsgesellschaften ihre Garantiefonds vorzeitig. Anleger müssen sich an den Gedanken gewöhnen, dass es eine Garantie auf Rendite nicht mehr geben kann. Trotzdem ist ein hohes Sicherheitsniveau für eine Anlage durchaus möglich. Genau hier kommen Fonds mit einem Wertsicherungskonzept ins Spiel.

Worin bestehen die grundlegenden Unterschiede, die Fonds mit Wertsicherung zu einer Alternative zu Garantieprodukten machen?

Russ: Je nach Ausprägung geben Garantiefonds dem Anleger eine echte Garantie, dass er am Ende der Vertragslaufzeit mindestens den eingezahlten Anlagebetrag, einen bestimmten Prozentsatz davon oder zwischenzeitlich erreichte Höchststände erhält. Dieses Versprechen wird natürlich auf Kosten einer möglichen Rendite teuer erkauft. Bei wertgesicherten Fonds verhält es sich anders. Hier wird definiert, um wie viel Prozent der Fonds in einem Jahr schlimmstenfalls an Wert verlieren darf. Diese Wertuntergrenze wirkt wie ein Sicherheitsnetz. Das ist keine echte Garantie. Wir können aber etwa bei unserem wertgesicherten Fonds Veri ETF-Allocation Defensive immerhin mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu einer Million sagen, dass er unterjährig nicht unter die definierte Wertuntergrenze fallen soll.



Wie erreichen Sie das?

Russ: Der Fokus des Fonds liegt auf dem Erzielen von Zinserträgen durch Renten-ETFs. Das Anlagespektrum umfasst Unternehmens-, Staats- und Hochzinsanleihen aus den Industrie- und Schwellenländern, abgebildet durch einen entsprechenden Index. Ein kleiner Teil kann auch in Rohstoff-ETFs investiert werden, das hilft der Rendite. Die strategische Zusammensetzung des Fonds basiert auf dem erprobten institutionellen "Risk@Work"-Risikomanagementmodell unserer Schwestergesellschaft Veritas Institutional. Durch "Risk@Work" soll eine etwaige negative Wertentwicklung auf sechs Prozent innerhalb eines Jahres begrenzt werden. Gleichzeitig ziehen wir die Verlustobergrenze immer dann nach, wenn der Fonds zwei Prozent Rendite erwirtschaftet. So werden unterjährig erzielte Gewinne abgesichert.

Wie oft ist das seit Auflage des Fonds denn schon geschehen?

Russ: Der Fonds ist bereits 2005 aufgelegt worden, im März 2013 haben wir "Risk@Work" in das Produkt integriert. Seitdem haben wir die Verlustobergrenze siebenmal nachgezogen, zweimal allein 2016. Und der Fonds hat seit Jahresbeginn bis zum 22. Dezember eine Rendite von 4,05 Prozent erwirtschaftet.

Wie funktioniert Ihr System zur Risikominimierung im Einzelnen?

Russ: Für jede Assetklasse werden Echtdaten aus der Vergangenheit genommen und in Perioden eingeteilt. Über Simulationen werden nun die unterschiedlichen Kursverläufe der verschiedenen Assetklassen frei kombiniert. Es kann beispielsweise bei diesen millionenfachen Simulationen passieren, dass die Auswirkungen der Lehman-Pleite für Anleihen mit denen des Platzens der New-Economy-Blase für Aktien zusammenfallen. So sehen wir, was im Fall der Fälle passieren könnte und passen auch für solch unwahrscheinliche Ereignisse die Zusammensetzung des Fonds an. Selbst wenn es über viele Assetklassen hinweg turbulent zugeht, soll der Preis für den Fonds nie unter 94 Prozent des Jahresanfangswertes rutschen. Jedenfalls nicht mit einer Wahrscheinlichkeit, die höher ist als eins zu einer Million.

Wie kommen Sie gerade auf eine Wahrscheinlichkeit von eins zu einer Million?

Russ: Theoretisch können Sie auch einen höheres Sicherheitsniveau garantieren, doch dann sinkt auch die Chance auf Rendite. Das Verhältnis von eins zu einer Million erscheint uns ideal, da es dem üblichen Sicherheitsniveau in der Industrie, etwa im Flugzeug- und Automobilbau entspricht. Diese gesetzte Verlustobergrenze haben wir in Millionen von Simulationen noch nie berührt oder überschritten – geschweige denn im Realbetrieb.

Vielen Dank für das Gespräch. (am)


Einen auführlichen Artikel über Wertsicherungsfonds lesen Sie in der kürzlich erschienenen Heftausgabe 4/2016 von FONDS professionell. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin abrufen.