Können Risiken von Kapitalanlagen effektiv neutralisiert werden? "Ja, indem man sie erst gar nicht hat", beantwortet Rolf Klein die Frage selbstbewusst. Worauf Klein anspielt, der gemeinsam mit seinem Kollegen Lothar Koch die Geschicke des erst am 1. Februar 2017 aufgelegten Target – European L/S lenkt, ist die Tatsache, dass der als reiner Aktienfonds aufgelegte Produktnovize mit einer Long/Short-Strategie ausschließlich in europäische Small- und Mid Cap-Werte investiert und damit eventuelle Risiken aus Investments in Anleihen, Rohstoffe und Fremdwährungen, wie sie etwa die meisten Multi-Asset-Fonds aufweisen, ausschließt. 

Klein und Koch suchen dazu auf Basis eines eigens entwickelten Target-Scoring-Modells zwischen 40 und 60 Titel aus einem Gesamtuniversum von rund 1.000 Einzelwerten aus. Damit wird die Long-Seite, also die Wette auf steigende Kurse, abgebildet. "Wir haben die Erfahrung gemacht, und die historische Kursentwicklung zeigt es deutlich, dass Nebenwerte bessere Renditechancen bieten als die großen Standartwerte", so Klein. Auf der Short-Seite wird das Marktrisiko fallender Kurse je nach Einschätzung der beiden Fondsberater über Futures, ETFs oder ETPs auf den Large-Cap-Aktienindex Eurostoxx 50 abgesichert. 

Damit folgt der Fonds einem im Grunde einfachen Prinzip: Steigen die Kurse, werden Gewinne durch die Aktieninvestments eingefahren. Fallen die Börsen, entstehen Gewinne auf der Short-Seite, die die Kursrückgänge auf der Longseite auffangen und idealweise sogar zu Kursgewinnen für den Target – European L/S führen können. "Egal in welche Richtung sich der Markt bewegt, können wir Rendite im Fonds erzielen", so Klein. "Das Wesentliche für uns ist aber ohnehin nicht die Renditeoptimierung, sondern die dauerhafte Risikobegrenzung. Unser Ziel ist es, dass wir auch in schwankungsintensiven Märkten für unsere Anleger nach Kosten und Inflation ein positives Ergebnis erreichen – und zwar kontinuierlich. Das ist uns wichtiger als werbewirksame Ausschläge nach oben.“

Zwischen Baum und Borke
Diese Kombination aus einem Investment in höher rentierliche Nebenwerte auf der Longseite und einer konsequenten Absicherung des Risikos fallender Kurse auf der Shortseite sieht Klein als eine Art Schlüssel für einen derzeit extrem schwierigen Kapitalmarkt. Als Manager eines vermögensverwaltenden Fonds sitze man heute gewissermaßen zwischen Baum und Borke, so Klein. "Denn überall lauern Gefahren, die gerade traditionelle Investmentmodelle oder zuletzt eben auch Multi-Asset-Strategien unter Druck setzen, weil die Gefahr von Rückschlägen immer größer geworden ist", so der Portfoliomanager. "Die Aktienmärkte haben inzwischen ein Bewertungsniveau erreicht, auf dem jederzeit mit Kursrückschlägen gerechnet werden muss, die Ereignisse gerade der jüngsten Zeit belegen das eindrucksvoll." 

Gleichzeitig seien die Kurse an den Rentenmärkten aufgrund der immer weiter gesunkenen Zinsen zwar enorm gestiegen, aber die laufenden Erträge aus den Kupons von Anleihen würden inzwischen zum Teil noch nicht einmal ausreichen, um die Fondskosten zu decken. "Damit sind Anleihen kein vernünftiger Diversifikator mehr zu Aktien", ist Klein überzeugt. "Die früher einmal als sicherer Hafen fundierende Zinsseite ist sozusagen zu einem zinslosen Risiko verkommen. Von daher sind wir mit unserem Konzept die Alternative zum schwächelnden Multi-Asset-Sektor." 

Besser als die meisten Multi-Asset-Fonds
Mit seiner Strategie hat der Target European L/S seit seiner Auflegung Anfang Februar 2017 eine Performance von knapp dreizehn Prozent bei einer Volatilität von unter sechs Prozent und einem maximalen Verlust von unter drei Prozent erzielt und stellt damit die Ergebnisse einer ansehnlichen Reihe bekannter und beliebter Vermögensverwaltungs-Fonds in den Schatten. Nach rund 16 Monaten seit dem Start verfügt der Fonds aktuell über ein Volumen von knapp zwölf Millionen Euro und richtet sich in erster Linie an Privatinvestoren, dürfte aber auch für semi-institutionelle Anleger wie Vereine, Pensionskassen und Stiftungen sowie Vermögensverwalter, Dachfondsmanager und Finanzdienstleister eine interessante Alternative bieten. (hh)