Das chinesische Konglomerat lieferte sich 2015 mit der französischen Privatbank Oddo ein heißes Bietergefecht um die BHF-Bank. Die Franzosen gewannen. Kurz darauf kamen die Chinesen bei einem anderen deutschen Haus zum Zug: Hauck & Aufhäuser. Anfang 2017 rückte Michael Bentlage an die Spitze des Instituts. Im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE verrät er, welche Strategie das Bankhaus seit der Übernahme verfolgt und welche Ziele die neuen Eigner haben.

Jüngst hatte der Anbieter Ökoworld seine Fonds von Hauck & Aufhäuser abgezogen (FONDS professionell ONLINE berichtete). Als Grund nannten die Nachhaltigkeits-Pioniere Bedenken gegenüber dem neuen Eigner. Das folgende Interview war zuvor geführt worden. Hauck & Aufhäuser äußerte sich nachträglich nicht zu diesem Thema.

Herr Bentlage, vergangenes Jahr wurde die Übernahme von Hauck & Aufhäuser durch das Konglomerat Fosun vollzogen. Was plant der chinesische Konzern mit der deutschen Traditionsbank?

Michael Bentlage: Grundsätzlich besteht seitens der Fosun-Gruppe großes Interesse an allen Geschäftsbereichen der Bank. Fosun-Gründer und -Präsident Guo Guangchang betonte bei seinem jüngsten Deutschlandbesuch sein starkes Interesse an der Funktion von Hauck & Aufhäuser als Finanzdienstleister für das gesamte Netzwerk des Unternehmens. Die Konzernstruktur bezeichnet Guo als "Ökosystem". Das bedeutet, dass Fosun so aufgestellt ist, dass beinahe jede Dienstleistung innerhalb der Familie erbracht werden kann. Dies kommt im besonderen Maße unserem Kerngeschäftsfeld Asset Servicing zugute. Denn wir können unsere Dienstleistungen, insbesondere das Depotbankgeschäft, aber auch die Fondsadministration und das Asset Management allen anderen Konzerngesellschaften der Gruppe zur Verfügung stellen.

Und was passiert mit den anderen Geschäftsbereichen von Hauck & Aufhäuser?

Bentlage: Darüber hinaus ist Fosun an unseren Dienstleistungen im Bereich Mergers & Acquisitions interessiert. Hier dienen wir zunehmend als beratende Instanz für Fosuns zukünftige Geschäftsentwicklungen in Deutschland und Europa. Dadurch stärkt Fosun nicht nur unser operatives Geschäft, sondern auch unsere strategische Position und Reputation als international bedeutendes Bankhaus.

Soll das Haus auch für Kunden aus China sozusagen als Europa-Standort dienen, etwa im Private Banking?

Bentlage: Ja, das ist beabsichtigt. Es gibt hierzu auch diverse Initiativen, die vom klassischen Private Banking bis hin zum Thema Immobilienfinanzierung reichen. Konkret haben wir bereits nach der Übernahme durch Fosun die Stabsabteilung "Fosun Synergies" etabliert, die als Plattform zur Erschließung von Cross-Selling-Potenzialen zwischen Deutschland und China dient.

Was hat sich daraus ergeben?

Bentlage: Konkret beraten wir unsere chinesischen privaten und institutionellen Kunden in Bezug auf sämtliche Dienstleistungen von Hauck & Aufhäuser. Wir unterstützen unsere institutionellen Kunden aus China bei der Planung und Umsetzung ihres Finanzierungsbedarfs mit Blick auf die Kreditvergabe sowie den Zugang zum Kapitalmarkt. Zudem beraten wir chinesische Firmenkunden bei marktspezifischen und regulatorischen Fragestellungen in Deutschland. Weiterhin bieten wir ihnen alle Leistungen unseres Investment Bankings an. Über dieses Angebot hinaus dienen wir hierzulande als Botschafter für die wirtschaftliche Bedeutung deutsch-chinesischer Partnerschaften. So verstehen wir uns als Treiber des deutsch-chinesischen Wirtschaftsdialogs.

Wollen Sie umgekehrt auch Geschäft in China starten, etwa mit Fonds?

Bentlage: Der Investmentfonds in unserem westlichen Verständnis existiert in dieser Form in China nicht. Aktuell sind wir jedoch dabei, in einem ersten Schritt hauseigene Investmentfonds für den Vertrieb in China über Hongkong zuzulassen. Perspektivisch möchten wir diese Möglichkeit natürlich auch unseren Fondsinitiatoren für ihre Sondervermögen anbieten.

Wie groß ist das Interesse der Chinesen an Fonds überhaupt, wenn die Märkte so unterschiedlich sind?

Bentlage: Die Nachfrage nach diesen Produkten ist in China sehr hoch. Aktuell sammeln wir erste Erfahrungen im Hinblick auf die Kundenwünsche und -vorstellungen, etwa bezüglich der Renditeerwartungen. Auf diese Weise möchten wir langfristig die Synergien und damit auch das Wachstum auf beiden Seiten forcieren.

Vielen Dank für das Gespräch. (ert)


China ist nicht mehr nur Investmentziel für Fonds oder Absatzmarkt für westliche Fondsanbieter. Auch immer mehr chinesische Unternehmen drängen nach Europa, auch ins Asset Management. Welche Pläne die Chinesen verfolgen, lesen Sie im neuen Heft 4/2017 von FONDS professionell. Angemeldete KLUB-Mitglieder finden den Beitrag auch im E-Magazin.