Der Kölner Vermögensverwalter Albrech & Cie. hat seinen global investierenden Aktienfonds Albrech & Cie. Optiselect mit einem Schutz gegen hohe Verluste einzelner Portfoliobestandteile versehen. Konkret handelt es sich um eine Optionsstrategie namens "Zero Cost Collar" ("kostenloser Kragen").

"Für jede einzelne Aktie im Fonds kaufen wir eine Put-Option, die uns vor Verlusten über circa fünf Prozent pro Monat schützt", erläutert Norbert Wolk, der die Absicherungsstrategie bei Albrech & Cie. verantwortet, im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. "Um diesen Schutz zu finanzieren, verkaufen wir jeweils eine Call-Option, die unseren monatlichen Gewinn für jeden einzelnen Titel bei rund fünf Prozent deckelt." Im Ergebnis kann der Fonds je Aktienposition pro Monat höchstens etwa fünf Prozent gewinnen, aber auch nur rund fünf Prozent verlieren.

"Entscheidend ist, die großen, unerwarteten Verluste zu vermeiden"
"Viele Fondsmanager schrecken davor zurück, ihre Chancen auf Kursgewinne zu begrenzen. Viel entscheidender ist es jedoch, die großen, unerwarteten Verluste zu vermeiden", so Wolk. Die langfristige Performance entscheide sich in Schwächephasen, nicht während eines Bullenmarktes.

Wolk zitiert in diesem Zusammenhang gerne den US-Mathematiker Benoît Mandelbrot: "Lediglich einige Tage extremer Verluste bestimmen maßgeblich die langfristige Performance von Finanzinstrumenten", sagte der prominente Wissenschaftler einst.

"Im Eigenhandel habe ich diese Strategie schon vor 25 Jahren eingesetzt"
Wolk rechnet vor: Wenn eine Aktie um 50 Prozent einbricht, muss sie hinterher um 100 Prozent steigen, um das Minus auszugleichen. Die Erkenntnis, wie wichtig die Verlustvermeidung ist, gab letztlich den Ausschlag für das neue Risikomanagement im Optiselect. "Die Anleger des Optiselect wollen zwar in Aktien investiert sein, während der hohen Verluste nach der Dot-com-Bubble und der Finanzkrise bekamen viele aber kalte Füße", berichtet Wolk. Albrech & Cie. sah sich nach Möglichkeiten um, solche Verluste abzumildern – und kam dabei mit Wolk in Kontakt, der in den vergangenen Jahren Vermögensverwalter dabei beraten hatte, wie sich Extremrisiken am Aktienmarkt vermeiden lassen.

Bevor Wolk als Consultant tätig war, hatte der Diplom-Kaufmann und Börsenhändler viele Jahre für die Deutsche Bank, bei Sal. Oppenheim und anderen Instituten gearbeitet. "Im Eigenhandel auf Rechnung der Bank habe ich diese Optionsstrategie schon vor 25 Jahren eingesetzt, denn im eigenen Buch wollten die Institute Extremrisiken unbedingt vermeiden", erinnert sich Wolk. "Darum wundert es mich, dass solche Absicherungsstrategien in der Vermögensverwaltung und im Fondsmanagement kaum zum Einsatz kommen." Im Optiselect, der rund 37 Millionen Euro verwaltet, setzt er seine Strategie nun seit Mai um. Statt nur beratend tätig zu sein, stieg er als Portfoliomanager bei dem Kölner Vermögensverwalter ein (FONDS professionell ONLINE berichtete).

"Wir wollen das unternehmerische Risiko abdecken, nicht nur das allgemeine Marktrisiko"
Wolks Optionsstrategie ist mit einigem Aufwand verbunden: Für jede der 40 Aktien im Portfolio gilt es, an der Terminbörse Eurex eine passende Put-Option zu finden und eine Call-Option zu schreiben – und das jeden Monat. Wäre es nicht einfacher, die Absicherung schlicht mit einem Kontrakt auf den Dax oder einen anderen großen Index darzustellen? "Nein, denn uns es geht darum, das unternehmerische Risiko abzudecken, nicht nur das allgemeine Marktrisiko." Er erinnert daran, wie heftig die VW-Aktie nach Bekanntwerden des Dieselskandals abgesackt ist. Ein anderes Beispiel ist der Titel des Düngemittelherstellers K+S. "Der Dax glättet solche Entwicklungen."

Die Vermeidung solcher Extremverluste gelingt nur mit Optionen, ist Wolk überzeugt. Eine simple Stop-Loss-Order funktioniere nicht. "Wenn eine Aktie nach unten sackt, gelingt es in der Regel nicht mehr, sie zu einem vernünftigen Kurs zu verkaufen. Dann wird die Order erst ausgeführt, wenn der Verlust schon sehr hoch ist."

"Erfahrungsgemäß steigen Aktien langsam, fallen aber schnell"
Wolk entkräftet auch einen anderen Einwand. Oft hört er die Frage, ob es nicht besser wäre, sich nur gegen Kursverluste abzusichern – um einen möglichen Kurssprung einer Aktie nicht zu verpassen. "Das wäre viel zu teuer, denn 80 bis 90 Prozent der Optionen verfallen wertlos", sagt Wolk. Ihm dient das Schreiben der Call-Optionen dazu, die Put-Optionen zu finanzieren. Unter dem Strich sei die Deckelung der Gewinne auch nicht so schmerzhaft, wie viele vermuteten: "Erfahrungsgemäß steigen Aktien langsam, fallen aber schnell", so Wolk.

Wichtig ist ihm, das Portfolio dauerhaft abzusichern – und nicht nur in den Phasen, in denen der Portfoliomanager dunkle Wolken an der Börse aufziehen sieht. "Keiner von uns weiß, wann der nächste Kurseinbruch kommt", ist Wolk überzeugt. "Darum gilt es, immer für den Fall der Fälle gewappnet zu sein." (bm)