Der Pariser Vermögensverwalter OFI Asset Management zählt am Heimatmarkt Frankreich mit rund 70 Milliarden Euro an verwaltetem Vermögen zu den größten Anbietern. In Deutschland und Österreich ist der Fondsriese erst seit 2017 aktiv. Nun wird die Produktpalette in den zwei Märkten um ein außergewöhnliches Angebot erweitert: Der OFI Precious Metals Fonds ist seit geraumer Zeit in Deutschland und nun auch in Österreich zugelassen. Es handelt sich um einen UCITS-Fonds – den einzigen, der derzeit rein in Edelmetalle investiert (Unternehmensangaben). Die ISIN für die Retailklasse lautet FR0011170182.

Wobei das Investment kein direktes ist, da ein UCITS nicht in Rohstoffe selbst gehen darf. Erlaubt sind aber Swapgeschäfte. Darauf greift auch das Management im vorliegenden Fonds zurück. "Die Bank kauft Futures und der Fonds zahlt dafür. Wir haben keine physischen Risiken, nur das Kontrahentenrisiko", so Fondsmanager Benjamin Louvet. Voraussetzung ist gemäß gesetzlicher Vorgaben, dass der Emittent (die Bank, mit der der Swap-Deal abgeschlossen wird) ein Investment-Grade-Rating besitzt.

35 Prozent Gold
Konkret investiert man als Anleger in die Entwicklung des vom Fondsmanagement geschaffenen "Precious Metals Strategy Basket" (Bloomberg: OFIBPMS). Dieser Korb ist themenbedingt sehr klein und besteht zu 35 Prozent aus Gold, zu 20 Prozent aus Silber, zu 20 Prozent aus Platin, zu weiteren 20 Prozent aus Palladium, und fünf Prozent gehen in US-Short Rates (drei Monate). Die restlichen Edelmetalle wie Rhodium oder Rhutenium spielen am Weltmarkt eine untergeordnete Rolle.

Die Diversifizierung in einem Edelmetall-UCITS ist denn auch eine große Herausforderung. Als UCITS muss das Vehikel ja diversifiziert sein. Mehr als 20 Prozent in einem Wert sind unzulässig. In Ausnahmen sind es bis zu 35 Prozent bei außergewöhnlicher Marktbedingung. Die liegt hier aufgrund des engen und von Gold-dominierten Marktes vor.

Für und wider Gold
Für Anleger bringt so ein Vehikel die Möglichkeit, in einen Gold- beziehungsweise Edelmetall-Fonds zu investieren, ohne dabei in Minenaktien zu gehen. Im Gegensatz zum Direktinvestment fallen keine Lagerkosten an, aber natürlich will der Finanzminister beim Fonds, anders als beim Gold (nach einem Jahr steuerfreier Verkauf) an Kursgewinnen teilhaben.

Die Franzosen haben den Fonds bereits 2012 aufgelegt. Seitdem gab es Wertverluste, erst 2016 wurde zumindest der Abwärtstrend gebrochen. Das entspricht im Wesentlichen auch der Entwicklung des Goldpreises. Dieser hatte – in Euro gerechnet – im September 2012 sein historisches Hoch bei 1.378 Euro; der darauffolgende Abschwung kam erst 2016 zum Erliegen (das historische Hoch in Dollar gerechnet lag 2011 bei 1.900). Der OFI Precious Metals Fonds ist währungsgesichert und börsentäglich liquide.

Louvet: "Nur die realen Zinsen zählen"
Eine der wesentlichen Fragen, die sich Anleger oder Investoren stellen, ist vermutlich, ob Gold oder Edelmetalle, die ja keine Zinsen oder Dividenden abwerfen, in Zeiten steigender Zinsen noch ein gutes Investment sind. Für Fondsmanager Louvet ist die Lage klar: die Zinssituation würde derzeit sogar eher für Gold sprechen, sagt er: "Nicht die nominalen, sondern die realen Zinsen sind wichtig. Die Statistik zeigt seit den 1970er Jahren, dass Gold steigt, wenn die realen Zinsen tief sind. Und die realen Zinsen können aus unserer Sicht in den nächsten Jahren nicht steigen. Die Volkswirtschaften sind verschuldet. Würden die realen Zinsen steigen, verteuert das den Schuldendienst enorm" (siehe Grafik oben). Außerdem habe Gold angesichts der geopolitischen Risiken gerade bei institutionellen Investoren nichts an seiner Beliebtheit als sicherer Hafen eingebüßt. (eml)