Die Nachwehen früher verkaufter geschlossener Fonds sind immer noch lebhaft. Vor kurzem ist die Commerzbank wieder zur Schadenersatzzahlung an einen Anleger verurteilt worden. Das Oberlandesgericht Frankfurt hat die Berufung gegen das Urteil der ersten Instanz zurückgewiesen. In dem konkreten Fall geht es um einen Investor, der über die frühere Dresdner Bank eine Schiffsbeteiligung gekauft hat und sich falsch beraten fühlt.

Nach Angaben der Kanzlei Aslanidis, Kress & Häcker-Hollmann, die das Urteil erstritten hat, sei der Anleger im Beratungsgespräch "nicht ordnungsgemäß“ über die Vergütung für die Bank, die sie für den Vertrieb des Schiffsfonds erhalten hat, aufgeklärt worden. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte Rechtsanwalt Christopher Kress, dass die Provision "hinter dem Rücken des Kunden“ an die Bank geflossen sei. Das stimmt so aber nicht, wie FONDS professionell ONLINE recherchiert hat.

Aufklärung im Prospekt genügt den Richtern nicht
Denn in dem ausführlichen Prospekt zu dem "CFB-Fonds 166", um den es hier geht, wird die Vergütung für den Vertrieb eindeutig offengelegt. In der Investitionsplanung und in der Darstellung des Vertragswerks des Fonds heißt es wörtlich, dass er maximal sieben Prozent Vertriebsgebühr von der Fondsgesellschaft erhält. Außerdem erhielten die Berater wie üblich das Agio.

Die Gerichte erkennen das aber nicht an. Mehr noch: Irrsinnigerweise nennen sie die Vertriebsprovision eine "Rückvergütung“, obwohl sie ganz klassisch eine Verkaufsgebühr in zwei Teilen – nämlich Innen- und Außenprovision – darstellt. Eine Rückvergütung gäbe es, wenn der Vertrieb einen Teil seiner Provision an den Anleger zurückerstattet.

Mit Verweis auf Urteile des Bundesgerichtshofs hat das OLG Frankfurt hier entschieden, dass die Übergabe des Prospekts keine ausreichende Aufklärung des Investors sei. Außerdem sei die Bank im Prospekt nicht namentlich als Vertriebspartner und mithin als Empfänger der Vertriebsprovision genannt. Deshalb sei der Anleger nicht vollständig aufgeklärt worden und habe einen Anspruch auf Schadenersatz.

Hoher Verlust für die Anleger
Der Ende 2007 aufgelegte Fonds hat in zwei Vollcontainerschiffe investiert. Das Fondsvolumen beträgt laut Prospekt rund 98 Millionen Euro. Die Anleger haben etwa 55 Millionen Euro Eigenkapital plus fünf Prozent Agio beigetragen. Der Fonds ist 2013 in die Krise geraten, weil die geplante Anschlussbeschäftigung der Schiffe durch die Marktverwerfungen in der Containerfahrt nur zu sehr viel geringeren Charterraten erfolgen konnte als ursprünglich kalkuliert worden war.

Wegen anhaltend schlechter Aussichten hat der Fonds, der auch unter "Twins 1" bekannt ist, mit einem entsprechenden Anlegerbeschuss die Schiffe im Februar und März dieses Jahres verkauft. Die Investoren erleiden mit diesem Investment einen erheblichen Kapitalverlust, zumal sie während der Fondslaufzeit nur insgesamt 19,5 Prozent ihres eingesetzten Kapitals zurück erhalten haben. Aus dem Verkauf der Schiffe dürfen die Anleger nur mit einer minimalen Abschlusszahlung rechnen. (ae)