Bestehende Vorerkrankungen oder zu hohe Beiträge für den ausgeübten Beruf machen eine Absicherung des Risikos Berufsunfähigkeit mit einer eigenen Police oft schwierig. Hier kann allerdings ein versierter Makler durchaus den Versicherungsschutz eindecken, indem er bei mehreren Versicherern Voranfragen einholt. Mitunter hilft hier auch ein guter Draht zum Vorstand, um dem Kunden doch noch zu BU-Schutz zu verhelfen.

Als Alternative nennt das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) Erwerbsunfähigkeits-Versicherungen (EU). Darauf wurde im neuesten Rating neben der Bewertung von BU-Versicherungen eingegangen. Geprüft wurden die Tarife in den vier Teilbereichen Unternehmensqualität, Preis/Leistung, Flexibilität und Transparenz. Das klingt gewohnt professionell, lässt aber außer Acht, dass der Kunde überhaupt nur Geld bekommt, wenn er generell in keinem Beruf mehr als drei Stunden pro Tag arbeiten könnte.

Dies ist schon ein enormes Handicap, dass er sinnvoll nur mit einer hohen EU-Rente absichern sollte, was einen relativ hohen Beitrag nach sich zieht. In der Praxis werden nach neuesten GDV-Statistiken im Schnitt jedoch mit neu abgeschlossenen BU/EU-Verträgen durchschnittlich nur 10.607 Euro pro Jahr versichert (Stand 2016). Das sind lediglich 884 Euro pro Monat.

Gute Methodik, aber problematisches Produkt
Doch zunächst weiter im Rating-Text. Der Fokus liege auch beim EU-Rating im Bereich Preis/Leistung, der mit einer Gewichtung von 50 Prozent am höchsten in die Bewertung einfließt. Es wurden verschiedenste Fallkonstruktionen von Musterfällen definiert, um möglichst realistische Berechnungen durchzuführen, die auch vermeintlich "schlechtere Risiken“ berücksichtigen. "Diese Vorgehensweise unterstreicht den ganzheitlichen und realitätsnahen Ansatz unseres Ratings“, erläutert Prof. Michael Hauer, Geschäftsführer des IVFP. Besonderes Augenmerk liege auch auf den Teilbereich Unternehmensqualität, der mit 20 Prozent berücksichtigt wird. Flexibilität und Transparenz fließen mit 20 beziehungsweise mit zehn Prozent in das Ergebnis ein.

Das Institut hat nun 13 Tarife von 13 EU-Anbieten auf bis zu 90 Kriterien untersucht. Informationen zur Ratingmethodik sowie die Ergebnisse stehen online. Gewinner bei den Serviceversicherern, also Gesellschaften mit persönlicher Beratung, ist die Continentale mit dem Tarif "Continentale PremiumEU“, der die Gesamtschulnote 1,3 erhielt. Der Blick ins Kleingedruckte verrät: Gezahlt wird nur, wenn der Kunde "aus gesundheitlichen Gründen höchstens drei Stunden täglich einer Erwerbstätigkeit nachgehen kann“, und zwar "nicht nur im aktuellen Beruf, sondern bei allen am allgemeinen Arbeitsmarkt üblichen und auch selbstständige Tätigkeiten“.

Allerdings muss der Kunde dazu bereits "mindestens sechs Monate ununterbrochen wegen Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfall, die ärztlich nachzuweisen sind, zu arbeiten außerstande gewesen sein (Abschnitt B 1.1). Als Leistungsauslöser gelten auch Pflegebedürftigkeit und mittelschwere Demenz.

Was der Vergleich zur BU-Police zeigt
Einen Tarifrechner bietet die Continentale nicht im Netz, da sie natürlich dem Makler das Beratungsgespräch überlassen will. Allerdings bekommt man eine Ahnung vom Preis, wenn man sich das Online-Angebot der Continentale-Tochter Europa (Tarif EU-Vorsorge Premium) anschaut, das vom IVFP sogar mit der Ratingnote 1,1 bedacht wurde.

Ein nicht rauchender Fliesenleger (40), der bis 65 monatlich 2.000 Euro EU-Rente versichern will, zahlt bei der Europa 92,88 Euro Nettobeitrag, der durch die sofortige Verrechnung der Gewinnanteile deutlich günstiger als der eigentliche Tarifbeitrag (154,81 Euro). Eine vergleichbare BU-Police, die schon bei 50 Prozent Leistungseinbuße zahlen würde, würde das Dreifache kosten.    

Als weitere sehr gute Anbieter von EU-Versicherungen hat das IVFP den Direktversicherer Hannoversche Leben (Tarif Erwerbsunfähigkeitsversicherung), Dialog Leben (SEU-protect), Swiss Life (MetallRente.EMI Komfortschutz) und Axa (selbstständige Erwerbsunfähigkeitsversicherung) identifiziert, die mindestens die Note 1,4 oder besser erreichten.  

BU-Alternativen sind stets schlechterer Qualität
Grundsätzlich gilt: Als Alternative zum hochwertigen BU-Schutz kommen abgestufte Leistungen in Betracht, etwa Grundfähigkeits- oder Dread-Disease-Policen. Im Trend liegen auch funktionelle Invaliditätsversicherungen (FIV). Eine Alternative zu BU-Versicherungen sind sie aber nur bedingt.

Multi-Risk-Policen kombinieren die Absicherung der biometrischen Risiken Tod, Unfallinvalidität, schwere Krankheiten, Verlust von Grundfähigkeiten und Pflegebedürftigkeit in unterschiedlicher Weise. Nicht die – oft ungewisse oder gar umstrittene – Unfähigkeit zur Berufsausübung löst die Leistung aus, sondern die eindeutige medizinische Diagnose (Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall) beziehungsweise deren Folgen (Versagen von Grundfähigkeiten wie Gehen, Sehen oder Greifen).

Ein großes Manko der Multi-Risk-Policen besteht allerdings darin, dass sie beim häufigsten BU-Auslöser, den psychischen Erkrankungen, nicht oder kaum leisten. Überschätzt werden auch die jetzt vom IVFP bewerteten Erwerbsunfähigkeits-Versicherungen. Da zahlen die Versicherer erst, wenn der Kunde keinerlei Tätigkeit am Arbeitsmarkt mehr ausüben kann.

Versicherer können Kunden vorher auf alle anderen Tätigkeiten des Arbeitsmarktes verweisen, etwa den Hochschulprofessor auf den Pförtner-Posten, ehe sie zahlen müssen. Oft gibt es gar keine Leistung. Daher hat das vorgelegte EU-Rating nur begrenzten Wert für Vermittler, die sich keinen Haftungsrisiken aussetzen wollen, da Kunden im Ernstfall bei verweigerter Leistung wegen Falschberatung klagen könnten.

Besser schlechtere BU- als gute EU-Police  
Spezialmakler wissen: Abgespeckte Invaliditätsprodukte sind im Vergleich zu einer BU-Police bei ein und demselben Anbieter oft um die Hälfte billiger, dennoch findet sich auf dem Markt fast immer eine BU-Police eines anderen Anbieters, die sich preislich auf für den Kunden tragbarem Niveau bewegt. Dazu hilft auch das neue BU-Rating vom IVFP.

Um nicht missverstanden zu werden: "Der Vermittler sollte mit dem Kunden schon über alternative Produktkonzepte sprechen, wenn die BU-Absicherung aus finanziellen oder gesundheitlichen Gründen nicht infrage kommt“, sagt Michael Franke, Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg. Das heißt: Zunächst sollte der Berater über BU-Schutz in mehreren Qualitätsvarianten nachdenken, die von Franke als "Basis“, "Komfort“ und "Komfort+“ bezeichnet werden.

Erst dann folgen EU-, Multi-Risk- und Unfallversicherungen, aber auch Grundfähigkeits- und Dread-Disease-Policen. Ausgehend von Budget, Beruf und Gesundheit muss in der Beratung die Frage lauten: Welches Produkt passt zum Kunden? (dpo)