Der Firmengründer von Optionsellers.com James Cordier entschuldigt sich in einem Video (im Anschluss) bei seinen Anlegern für den Verlust, der aufgrund der Nachschusspflicht bei geschriebenen Optionen mehr als 100 Prozent ausmacht. Cordier macht eine "Monsterwelle" der Gaspreisentwicklung für den Schaden, der laut der Nachrichtenagentur Bloomberg im Bereich um 150 Millionen US-Dollar liegen soll, verantwortlich.

Die Strategie des Fonds bestand darin, Optionen auf Rohstoff-Terminkontrakte zu schreiben, das heißt Optionen zu verkaufen. Auf diese Weise werden laufend geringe Erträge in Form vereinnahmter Optionsprämien erwirtschaftet, weil ein Großteil der Optionen wertlos verfällt. Zum Verhängnis wurde den Anlegern der sogenannte "Witwenmacher-Spread" beim Erdgas-Terminkontrakt, das ist der traditionell hohe Spread zwischen März- und April-Kontrakten bei Erdgas. Wer darauf wettet, dass der Preisunterschied zwischen diesen Kontrakten gegen Verfall hin kleiner wird, kassiert im Idealfall vergleichsweise hohe Gewinne – passiert das aber nicht, kann es sehr teuer werden. 2006 verlor der US-Hedgefonds Amaranth Advisors bei diesem Trade 4,5 Milliarden US-Dollar.  

Mitte November weitete sich dieser Spread laut Bloomberg von 30 Cent auf 1,75 US-Dollar aus, was Optionsellers.com ruinierte. Da die Terminbörse in so einem Fall Nachschüsse verlangen muss, werden die Positionen mit Verlust glattgestellt, wenn die zusätzlichen Sicherheiten nicht erbracht werden können. Ein Kunde des Unternehmens twitterte am 17. November, dass sich das 400.000-US-Dollar-Guthaben auf seinem Konto innerhalb von drei Tagen in ein Minus von 125.000 US-Dollar verwandelt habe. (gf)

Ein sichtlich geschockter James Cordier im Entschuldigungs-Video