Es kommt nicht oft vor, dass im Beteiligungsmarkt Klartext gesprochen wird. Umso auffälliger ist eine Anlegerwarnung der Fondsbörse Deutschland. Deren Zweitmarktplattform machte in einem Rundschreiben auf Käufer aufmerksam, die von Anlegern Anteile an geschlossenen Fonds "mit fragwürdigen Rundschreiben weit unter Marktwert“ erwerben wollen. Das betreffe derzeit den Immobilienfonds "Mitteleuropa III" von HGA Capital.

Die Beteiligung wurde 2004 aufgelegt. Investitionsgegenstand ist eine Einzelhandelsimmobilie in Krakau. Das Volumen des reinen Eigenkapitalfonds beträgt rund 70 Millionen Euro inklusive Agio. Der Fonds hat seit seiner Auflage die geplanten Auszahlungen deutlich übertroffen. Bis jetzt belaufen sich die Gesamtauszahlungen eigenkapitalbezogen auf mehr als 110 Prozent.

Fondsbörse: "Insider auf Dummenfang"
Laut Fondsbörse haben Anleger das Angebot erhalten, ihre Fondsanteile zu einem Kurs von 125 Prozent des Nominalkapitals zu verkaufen. Auf dem Zweitmarkt wurden die Anteile in den vergangenen Wochen jedoch konstant über 150 Prozent gehandelt. "Das bedeutet: Schon bei einem Anteil von 10.000 Euro entgehen Verkäufern circa 3.000 Euro. Bei größeren KG-Beteiligungen entstehen Schadenssummen von bis zu 30.000 Euro gegenüber dem regulierten Handel", rechnet die Fondsbörse vor.

Nach Angaben der Zweitmarktplattform gebe es keinen Anlass oder ersichtlichen Grund, der einen Abschlag von 30 Prozent gegenüber dem letzten Handelskurs rechtfertigen würde. "Auch wenn es gegen solche Lockangebote noch keine gesetzliche Handhabe gibt, wird hier deutlich eine rote Linie überschritten: Derartige 'Angebote' sind in unseren Augen mehr als nur unseriös. Hier gehen Insider auf Dummenfang und lassen eine ganze Anlageklasse in einem schlechten Licht dastehen", ärgert sich Alex Gadeberg, Vorstand der Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG. (ae)