Vor dem Bonner Landgericht muss sich derzeit ein Versicherungsvertreter aus dem rheinischen Hennef verantworten. Die Staatsanwälte werfen dem 59-Jährigen vor, rund 670.000 Euro an Provisionen und Boni mittels fingierter Versicherungsverträge ergaunert zu haben. Die Anklage lautet daher auf gewebsmäßigen Betrug, wie der "General-Anzeiger" (GA) aus Bonn berichtet.

Dem Artikel zufolge habe sich der Beschuldigte mitsamt seines Partners 2008 über die Agentur einer namentlich nicht genannten Versicherungsgesellschaft selbstständig gemacht, bei der der Angeklagte seit Ausbildungstagen beschäftigt war. Ab dem Zeitpunkt stand er als freier Vermittler natürlich unter Druck, Provisionen zu verdienen. Das wurde offenbar immer schwieriger, auch weil sein Partner abgeblich schwer erkrankte.

Daher hat der Vermittler ab 2011 Verträge auf Bekannte und deren Kinder abgeschlossen – ohne deren Wissen. So stellte er etwa Urkunden über Gebäudeversicherungen auf Grundstücksgesellschaften aus. Die benannten Immobilienobjekte allerdings existierten gar nicht. Das so eingenommene Geld teilte er aber mit seinem Partner, der laut Bericht von diesen Vorgängen keine Ahnung hatte.

350.000 Euro in monatlichen Raten
Ein anderer Grund für die Tricksereien sei sein Ansporn gewesen, bei der Versicherung im internen Wettbewerb beim "Club der Besten" mithalten zu können. Natürlich seien auch die Bonuszahlungen bei einer bestimmten Zahl von Vertragsabschlüssen ausgesprochen verlockend gewesen, wie der Vermittler laut GA-Artikel zugab.

Im Januar 2014 sei der Schwindel dann aufgeflogen, als einige seiner Kunden zu einer anderen Agentur wechselten und der neue Vertreter alle Verträge unter die Lupe nahm. In der Folge wurde er seine Agentur los. Den Schaden müsse er dem Artikel zufolge aber ersetzen. Eine Lebensversicherung, die im nächsten Jahr fällig wird, wolle er an den Anbieter abtreten.

Inzwischen habe die Assekuranz ihm folgendes Angebot gemacht: Wenn er in den nächsten 15 Jahren 350.000 Euro in monatlichen Raten zurückzahlt, werde ihm der Rest erlassen. Seinen Partner, der ahnungslos die Hälfte des ergaunerten Geldes annahm, wolle er nicht in die Pflicht nehmen. (jb)