Die Zentralbank Irlands hat alle Asset Manager aufgefordert, bei im Inland aufgelegten Publikumsfonds die einbehaltenen Performance Fees zu überprüfen. Bis Ende November müssen Fondsanbieter schriftlich erklären, dass sie die Berechnungsmethoden und die Abrechnung erfolgsabhängiger Gebühren kontrolliert haben, teilte die Central Bank of Ireland (Banc Ceannais na hÉireann) mit. Dem Institut obliegt die Aufsicht über die Fondsbranche des Inselstaates. Die Republik ist nach Luxemburg die zweitgrößte Heimat europäischer Fonds.

Die Behörde war zuvor bei einer Stichprobe von einem Drittel der 350 irischen Publikumsfonds, die im Jahr 2017 eine Performance Fee verlangten, auf Unstimmigkeiten bei der Abrechnung gestoßen. Bei rund zehn Prozent der untersuchten Ucits-Vehikel deckten die Aufseher Verstöße gegen die Richtlinien auf. In vielen Fällen kassierten Anbieter bei den Anlegern zu hohe Gebühren ab. Die Zentralbank hatte bereits vor einem Jahr Mängel dabei ausgemacht, wie Fondsgesellschaften Kosten und Gebühren aufschlüsseln.

Gebühren kassiert, keine Leistung erbracht
Auch die neue Mängelliste ist lang: So berechneten Gesellschaften in einigen Fällen die erfolgsabhängige Vergütung anhand des Bruttofondsvermögens und nicht wie vorgegeben anhand des Nettowerts, bei dem der Einfluss von Kosten und Gebühren auf die Performance bereits abgezogen ist. Einige Anbieter kalkulierten die Erfolgsvergütung anhand von völlig irrelevanten Vergleichsindizes oder gaben nicht klar an, welche Variante einer Benchmark sie heranziehen, etwa ein Kurs-, oder Performancebarometer.

Mitunter strichen Gesellschaften eine Performance Fee ein, nachdem der Fondswert eine Hürde (High Watermark) überstiegen hatte – dies aber an einer günstigen Marktbewegung und gar nicht an der Leistung des Managers lag. Die Dubliner Zentralbank wies die Asset Manager darauf hin, dass sie den Anlegern zu viel gezahlte Gebühren zurückerstatten müssen. Welche Fondsgesellschaften negativ aufgefallen sind, wollte das Institut aber nicht mitteilen.

Spielregeln nicht eingehalten
"Wir sind beunruhigt darüber, dass in der Branche die Vorgaben nicht konsequent und flächendeckend eingehalten werden. Dies kann dazu führen, dass dem Fondsvermögen und den Anlegern zu hohe Gebühren angelastet werden", sagte Derville Rowland, Leiterin der Finanzaufsicht bei der irischen Zentralbank. "Investoren regulierter Fonds erwarten zu Recht, dass sie korrekte Gebühren in Rechnung gestellt bekommen und dass die Firmen und ihre Vertreter dabei hohe Standards einhalten", ergänzte Rowland.

Die irische Finanzaufseherin kündigte an, die Praxis der Branche genauer beobachten und sicherstellen zu wollen, dass die Interessen der Investoren gewahrt bleiben. Besonders das Verhalten der ungenannten Gebühren-Delinquenten will die Behörde im Auge behalten. Zudem sollen die Vorgaben über erfolgsabhängige Gebühren, die in dem Land lediglich einen Leitlinien-Charakter haben, noch dieses Jahr in bindende Regeln gegossen werden. (ert)