Die Finanzaufsicht Bafin hat Leilinien für das Liquiditätsmanagement von Fonds aufgestellt. In einem kürzlich veröffentlichten Bericht hat die Behörde auch die dafür geläufigen Liquiditätsstresstests von Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVG) unter die Lupe genommen. Das 36 Seiten umfassende Dokument steht hier zum Download zur Verfügung. Die KVGen hatten zuvor Stellung zu dem Bericht beziehen können.

Hintergrund dieses Schrittes ist, dass der Finanzstabilitätsrat (FSB) Anfang des Jahres warnte, dass sich aus der mitunter mangelnden Liquidität von Fonds Risiken für die Stabilität des Finanzsystems ergeben könnten. Eine Befürchtung lautete, dass Notverkäufe großer Fonds ganze Märkte unter Druck bringen könnten. Der FSB hatte den nationalen Aufsichtsbehörden deshalb aufgegeben, den Kapitalverwaltungsgesellschaften Orientierungshilfe für die Durchführung von Liquiditätsstresstests zu geben, um die entsprechenden Risiken steuern zu können.

Das Thema Liquiditätsmanagement beschäftigt die Branche aber schon seit Jahren. Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers mussten beispielsweise zahlreiche offene Immobilienfonds zusperren, weil Anleger ihr Geld schneller zurückhaben wollten, als sich die Objekte am Markt verkaufen ließen. Viele Fonds stecken immer noch in der Abwicklung.

Ständige Überwachung
Der Bafin-Bericht definiert ein Liquiditätsrisiko bei Fonds als Gefahr, dass das Sondervermögen eine "Position im Portfolio nicht innerhalb hinreichend kurzer Zeit mit begrenzten Kosten veräußern, liquidieren oder schließen" kann. Als Folge komme es daher zu Beeinträchtigungen bei der Rückgabe von Anteilsscheinen. Die Asset Manager sind also verpflichtet, die Zahlungsfähigkeit der Fonds mit ihren jeweiligen Zahlungsverpflichtungen in Einklang zu bringen. Dafür müssen die Gesellschaften ständig die Liquidität der gehaltenen Assets überwachen.

Liquiditätssteuerung bei Planung der Strategie berücksichtigen
Mit Blick auf die Organisation des Liquiditätsmanagements verlangt die Aufsicht von den KVGen, dass diese die Steuerung der flüssigen Mittel bereits bei Auflage und damit der Festlegung der Anlagestrategie eines Produktes berücksichtigen. Und nicht als lediglich nachgelagerte Maßnahme nach Start eines Fonds betrachten. Wichtig ist aus Sicht der Bafin auch, dass das Risikomanagement und die damit verbundenen Stresstests von der übrigen operativen Seite des Fondsmanagements getrennt werden.

Die Behörde fordert ferner, dass das Liquiditätsrisikomanagement immer auf die individuelle Situation des Fonds zugeschnitten werden muss. "Ein Liquiditätsrisikomanagement 'von der Stange' dürfte in den Kernbereichen nicht ausreichen", heißt es in dem Bericht. Insbesondere würden von externen Datenanbietern eingespeiste Standard-Liquiditätskennzahlen die konkrete Situation der Gesellschaften nur unzureichend abdecken.

"Kein Königsweg"
Schließlich, so die Bafin, unterscheiden sich die Investments von Portfolio zu Portfolio erheblich. Es gebe eine große Palette an Wertpapieren sowie verschiedene Arten von Immobilienanlagen. Folglich würden nicht nur die Liquidität der Vermögenswerte und die
Verfügbarkeit einer Historie von Risikokennzahlen variieren: Auch die individuellen Ausbaustufen des Liquiditätsrisikomanagements einer KVG müssen diese Heterogenität widerspiegeln.  

"Es gibt somit aus gutem Grund keinen allgemeingültigen Königsweg für Liquiditätsstresstests. Gerade dies stellt die KVGen selbst in die Verantwortung, für die Risikosteuerung jeweils die am besten geeigneten Werkzeuge anzuwenden", so die Bafin. (jb)