Die Finanzaufsicht Bafin sieht davon ab, den Vertrieb von bonitätsabhängigen Schuldverschreibungen an Privatkunden zu verbieten. Die Aufsicht habe die Emission und den Vertrieb dieser Produkte bis Ende September überprüft und dabei festgestellt, dass die Selbstverpflichtung der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) und des Deutschen Derivate Verbands (DDV) weitgehend eingehalten werde, teilte die Behörde am Dienstag mit. Privatanleger seien nun ausreichend geschützt.

Die Bafin hatte aufgrund von Bedenken für den Anlegerschutz Ende Juli 2016 ein Verbot von Zertifikaten auf Bonitätsrisiken im Retail-Vertrieb angedroht. Als Reaktion darauf hatten DK und DDV Mitte Dezember 2016 eine Selbstverpflichtung veröffentlicht, die eine bessere Risikoaufklärung vorsieht und den Vertrieb solcher Papiere auf risikobereite und erfahrene Anleger beschränkt. Die Bafin hatte ihr geplantes Verbot daraufhin zunächst zurückgestellt. Nach Abschluss einer neunmonatigen Überwachungsphase sieht sie nun von einem Verbot ab, wird die Einhaltung der Selbstverpflichtung aber weiterhin beobachten.

In den Beratungsprotokollen fanden sich vereinzelt Verstöße
"Die Entwicklung bei den bonitätsabhängigen Schuldverschreibungen zeigt, dass die Bafin auch ohne ein Verbot deutliche Verbesserungen im Anlegerschutz erreichen kann", sagt Bafin-Exekutivdirektorin Elisabeth Roegele. Die Behörde hatte von Januar bis Ende September insgesamt 106 neu emittierte bonitätsabhängige Schuldverschreibungen mehrerer Emittenten überprüft und dabei festgestellt, dass die Selbstverpflichtung der Zertifikateindustrie eingehalten wird. Weitere Beschränkungen seien daher derzeit nicht erforderlich.

Die Bafin kontrollierte unter anderem Wertpapierprospekte und Produktinformationsblätter und untersuchte Werbe- und Informationsmaterialien sowie die Produktbeschreibungen auf den Internetseiten der Emittenten. "Ergänzend überprüfte die Aufsicht vor Ort, ob die vertriebsbezogenen Grundsätze beachtet werden, und wertete dazu unter anderem Beratungsprotokolle aus", heißt es in der Mitteilung der Behörde. "Hier stellte sie zwar vereinzelt Verstöße fest. Diese waren jedoch nicht systemischer Natur, sondern auf individuelles Fehlverhalten zurückzuführen." (bm)