Nun ist es offiziell: Ab heute dürfen sogenannte finanzielle Differenzkontrakte (Contracts for Difference, CFDs) mit Nachschusspflicht nicht mehr an private Kunden mit Hauptwohnsitz in Deutschland verkauft werden. Die Finanzaufsicht Bafin hatte diesen Schritt Ende 2016 angekündigt und Anfang Mai 2017 eine Allgemeinverfügung zu diesem Zweck erlassen.

Dabei war allen Anbietern von CFDs eine Übergangsfrist von drei Monaten gewährt worden, um ihr Geschäftsmodell anzupassen. Diese Frist ist nun zu Ende, worauf der internationale Forex- und CFD-Broker Admiral Markets in einer Presemitteilung aufmerksam macht.

Damit hat die Bafin zum ersten Mal von ihrer Möglichkeit zur Produktintervention Gebrauch gemacht. In der Vergangenheit hatte die Behörde bereits Bonitätsanleihen ins Visier genommen. Im Fall dieser Produkte, die eben nicht sichere Anleihen, sondern komplexe Zertifikate sind, hat die Branche ein Verbot per Selbstverpflichtung schlussendlich abwenden können.

Gehebeltes Investment
Bei CFD-Kontrakten handelt es sich Anlageinstrumente, mit denen Anleger gehebelt auf die Kursentwicklung eines Basiswertes wetten. Dies kann ein Index, eine Aktie, ein Rohstoff, ein Währungspaar oder ein Zinssatz sein. Der Kapitaleinsatz ist verglichen zu einem Direktinvestment gering. Entwickelt sich der Basiswert in die vom Anleger vermutete Richtung, gewinnt der CFD rasant an Wert. Geht die Spekulation nicht auf, droht ebenso rasch der Totalverlust – oder weit Schlimmeres.

Übersteigt diese Differenz das eingesetzte Kapital, muss der Anleger bei CFD-Produkten mit Nachschusspflicht den Unterschiedsbetrag aus seinem sonstigen Vermögen ausgleichen – er verliert also schlimmstenfalls mehr als sein ursprüngliches Investment. Darin sieht die Bafin ein zu hohes Risiko für private Anleger und hat deshalb diese Produkte aus Gründen des Verbraucherschutzes gestoppt.

Anteil im Promille-Bereich
Admiral Markets begrüßt das Vertriebsverbot: "Diese Entscheidung war ein wichtiger Schritt zum Schutz der Privatanleger, welche nur allzu oft die Tragweite der besagten Nachschusspflicht nicht abschätzen konnten", sagt Jens Chrzanowski, Mitglied im globalen Management Board der Admiral Markets Group AS.

Allerdings sind die betroffenen Produkte nur eine Nische am Markt. Rafael Alexander Neustadt, Geschäftsführer des CFD-Verbandes, erklärte Anfang März auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE, dass von rund 71 Millionen Transaktionen im Jahr 2015 nur 3.000 von einer Nachschusspflicht betroffen gewesen seien – macht rechnerisch einen Anteil von 0,04 Promille. (jb)